Monat: März 2014

chronisch – IRGENDWIE

Kurz aber mehr als intensiv kann eine knappe Woche sein. Vieles kann einem innerhalb nur eines Tages bewusst werden. Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, zusätzlich zu bereits den ganzen gewonnenen Erkenntnissen des letzten Jahres, müssen erst einmal verarbeitet werden. Besonders zwei Sätze: „Ihre Krankheit ist chronisch. Sie werden wohl ein Leben lang mit Ihrer Essstörung zu kämpfen haben.“ Stimmt, nichts neues eigentlich. Aber irgendwie haften diese beiden Sätze dieses mal 1000 mal mehr wie Pattex an mir bzw. in mir. Ich kann natürlich irgendwie gesund werden und ich weiß auch, dass ich es werde – irgendwie. Aber halt wohl irgendwie auch nicht so ganz.

Doch komischerweise beunruhigt mich das dieses mal nicht, sondern ich weiß, woran ich arbeiten muss. Wie ich den Kampf mit mir selber fortführen muss, um irgendwie für mich zu sorgen – auf möglichst natürliche und „normale“ Weise. Ohne Panikattacke und ohne Kontrollverlust. Ein bisschen Kontrolle ist wichtig – aber muss sie halt gesund sein. Klingt noch verdammt ironisch paradox für mich irgendwie, aber es scheint wohl etwas dran zu sein. Zumindest will ich es herausfinden…

Nun ja – wie auch immer… es gilt jetzt mit einem noch intensivereren Blick und zum Teil einem noch anderen Blick auf die Dinge und auf die Ursachen zu schauen. Mal wieder, ich weiß. Aber irgendwie habe ich kein schlechtes Gefühl dieses mal. Obwohl es sich schlecht anfühlt, wenn man kurz von der Glückswoge abkommt – so wie jetzt gerade in diesem Moment. Ich weiß trotzdem, dass es irgendwie gehen kann. Hat man mir zumindest gesagt. Und ich vertraue dieses mal darauf – irgendwie.

Advertisements

disziplinlos

Wieder habe ich es natürlich nicht geschafft. Kontrolle ist mittlerweile ein absolutes Fremdwort für mich geworden. Ich habe keine Disziplin. Die Völlerei wird immer schlimmer. Das Aushalten rückt immer ferner. Ich schaffe es nicht mehr. Wo ist meine Disziplin hin? Ich war immer sehr diszipliniert und jetzt? Hirn und Körper schalten sich gleichermaßen aus, wenn es ums Essen geht. Am Abend. Tagsüber und nachts läuft das Hirn auf Hochtouren. Essen. Essen. Essen. Essen. Ich bin dick. Ich bin fett. Was könnte ich morgen anziehen, das meinen Bauch kaschiert? Warum das alles? Warum schaffe ich es nicht? Krieg ich denn gar nichts alleine hin? Ja, hier läuft das Hirn auf 200%. Aber wenn es abends darum geht, mal eine normale Portion anstatt das dreifache zu essen, dann ist es quasi nicht existent. Es ist, als würde es mir den Mittelfinger zeigen und dann einfach so tun, als hätte ich nie ein funktionierendes Gehirn gehabt. Dieser Zustand treibt mich in den Wahnsinn.

Jetzt versuche ich, mir wieder Hilfe zu holen. Schwach. Wo ich doch all die guten Vorsätze hatte. Wo ich doch den Willen hatte. Alle Voraussetzungen waren bestens. Und? Nichts hat funktioniert. Ich verliere die Kontrolle über alles.

Jetzt ist Schluss.

Jetzt ist Schluss. Irgendwann muss ich mal mit dem Schlussmachen anfangen. Und das ist jetzt. Wieder habe ich es getan und mich wie ja bereits fast jeden Abend hemmungslos ohne Kontrolle vollgestopft. Was das für Gefühle in mir auslöst, habe ich versucht, in den letzten Beiträgen zu beschreiben.

Aber jetzt muss ich etwas ändern. Ich habe mich heute mit ausgesprochenen Worten wirklich von meinen Fressattacken verabschiedet, nachdem ich mich gerade noch auf mein Bett hieven konnte.

Das Gefühl, dass mir meine Jeans langsam kneifen ist wirklich das absolute Topping. Das hatte ich noch nicht und jetzt ist es soweit. Ich fühle mich elender als je zuvor. Wenn ich mental nicht durch die letzten Monate gestärkt wäre, wäre ich jetzt an einem Punkt, an dem ich bereits einmal war. Aber für irgendetwas muss sich ja die Mühe meiner Ärzte und Therapeuten lohnen. Danke also dafür.

Ab morgen wird Schluss gemacht. Ein für allemal vorbei mit diesen unkontrollierten Fressattacken. Vorbei mit dem Ohne-Kontrolle-Sein. Ich brauche sie wieder. Ich brauche die Kontrolle über mich und meinen Körper. Ab morgen wird es folgendermaßen aussehen: Zum Frühstück ein belegtes Brötchen und eine Laugenbrezel. Zum Abend Rohkost oder Essiggurken oder so etwas in der Art. Zwischendurch Coke Zero. So sieht es aus. Das sind gerade meine Gedanken und Vorsätze. Und jetzt soll mir noch mal einer sagen, ich wäre auf dem besten Weg oder ich sei nicht mehr krank… Dieser Vorsatz ist jetzt nicht wirklich gesund und ich weiß das. Aber so ist meine Denke hier im Jetzt – heute Abend. Mal sehen, wie es ist, wenn ich im Morgen bin…

Achterbahn

Jetzt verstehe ich, warum so viele Leute bei einer Achterbahnfahrt kotzen. Ich ertrage dieses ständige Auf und Ab nicht mehr. Ich möchte auch am liebsten brechen – alles negative und belastende einfach herauskotzen.

Als ich mich damals so seicht und fast nicht merkbar in diese Krankheit herein monövriert habe, war alles gar nicht schlimm. Das Schlimme kommt erst, wenn man realisiert, dass etwas nicht stimmt und gesund werden will. Und das ist das Paradoxe: Du erkennst, dass du gesund werden willst und jetzt erst wird es richtig hart. Ein Kampf, den ich nicht mehr kämpfen will eigentlich. Warum das ganze? Vorher war es einfacher. Einfach wenig essen, weniger grübeln und alles relativ easy. Und jetzt? Viel Essen, keine Kontrolle mehr über das Essverhalten, keine Disziplin mehr, viel mehr grübeln und alles relativ schwer. Ich wünsche mir die Ana zurück. Nicht selten in den letzten Wochen. Doch irgendwie ist sie nur noch ein Schatten. Sie ist nicht mehr da, wie sie es noch vor einem Jahr war. Sie war da, hatte mich fest im Griff. Doch jetzt spüre ich nur noch einen Hauch, der permanent da ist und in meinen Kopf bläst, aber sie kann sich nicht gegen den Alltag durchsetzen und sie berührt mich nicht mehr.

Einerseits beruhigt mich das ungemein. Andererseits macht es mir Angst. Angst vor der Zukunft. Angst, wieder 94kg zu wiegen und mich abartig zu finden. Angst vor dem absoluten Kontrollverlust.

Ein bedrückendes Auf und Ab, das täglich meinen Kopf regiert. Ich möchte das nicht mehr.

Dementsprechend ist mein Fazit: Achterbahnen braucht kein Mensch. Vergnügungsparks leben auch von anderen tollen Attraktionen. Und ich könnte sehr viel besser ohne diese Kopfachterbahn leben.