Der Schlüssel

Es ist unheimlich schwer,  mit Dingen aus der Vergangenheit abzuschließen. Mir selbst zu verzeihen, was ich mit mir habe machen lassen und mir selbst zu verzeihen, mich selbst aufgegeben zu haben – nicht nur einmal. Ich kann nicht sagen, woran es liegt, dass ich mir das noch immer so übel nehme, obwohl mich an vielem nur eine passive Schuld trifft. Ich bin dabei, herauszufinden, warum ich immer so unheimlich streng mit mir selbst bin. Beziehungsweise habe ich den Grund dafür schon längst herausgefunden, doch irgendwas ist in mir so tief verankert, dass ich ständig das Gefühl habe, ich darf nicht einfach mal sein. Ich darf nicht einfach mal so sein, wie ICH es will  -sondern ich habe immer irgendwie eine innere Stimme, dir mir ständig zuflüstert, ich muss meinem Umfeld entsprechen. Ich muss den allgemeinen Erwartungen entsprechen. Ich muss einem körperlichen Idealbild entsprechen. Ich muss bestimmte Leistung erbringen, um es mir gut gehen zu lassen. Wenn ich nicht so bin und allem Stand halte und allem so entspreche, wie es mir von wem auch immer auferlegt wird, dann darf es mir natürlich auch nicht gut gehen.

Krankes Denken mal wieder? Kann sein.

Alle sagen, sei du selbst. Wer nicht akzeptiert, wie du sein willst, oder wer du bist, der ist es nicht wert. Stimmt definitiv. Dem habe ich nichts entgegenzusetzen. Doch ist es trotzdem so, dass jeder -oder vielleicht 98% der Menschen, die sowas sagen- sich auch irgendwelchem Druck von Außen beugt. Auch das könnte mir eigentlich egal sein. Stimmt.

Aber wie bekomme ich diese Egal-Einstellung??? Ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass ich niemandem nach seinem Äußeren oder nach bestimmten Leistungen oder Hobbies o.ä. verurteile. Wenn jemand nicht in meine Welt passt – dann hat er trotzdem das Recht, sich auszuleben, wie er es gerne möchte und ich bewundere jeden, der dies auch tut.

Warum gelingt es mir nur nicht, mal alles passierte zu vergessen und einfach mal zu leben und zu genießen? Bei jeder Mahlzeit schwingen negative Gedanken mit, ein schlechtes Gewissen. Weil ich noch immer nicht fein mit mir und auch mit meinem Körper bin. Ich nehme zu. So what??? Das hat niemanden zu interessieren und keiner weiß, mit welcher Figur oder mit welchem Gewicht ich mich am wohlsten fühle. Trotzdem habe ich Angst vor irgendwas, wenn ich mehr zunehme. Davor, dass ich eine Veränderung durchmache – eine äußerliche. Und Zunehmen ist in unserer Gesellschaft immer gleich negativ behaftet. Genau das ist es, das mich hemmt, obwohl ich eigentlich mit mehr auf den Rippen glücklicher bin. Das weiß ich aus der Vergangenheit.

Also, noch mal: so what?? Ich gehe weiter den Weg und versuche, herauszufinden, was gut und was schlecht für mich ist. Ich freue mich über jeden Begleiter. Mir ist aber auch bewußt, dass viele Menschen häufig andere Wege einschlagen. Und dann heißt es loslassen.

Ich möchte loslassen von meinen schlechten Erlebnissen aus der Vergangenheit und loslassen von dem Gedanken, ich bin nicht wirklich viel wert. Vielleicht gelingt es mir ja wirklich irgendwann mal.

Der Schlüssel ist ja ganz simpel: einfach auf sich selbst hören und man selbst sein.

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