Schizophrenie der Essstörung – mein ich und ich

Etliche male haben mich die kranken Gedanken innerhalb dieser Essstörung zermürbt und ich dachte, es wird irgendwann besser. Wird es nicht. Vielleicht zwischendurch, aber nicht langfristig. Ein kurzer Moment, ein Satz, einmal falsch abbiegen auf dieser zerstörerischen Gedankenautobahn und es ist alles beim alten. Mein Hirn fickt mich auf übelste Weise und ich kann nichts dagegen tun.

Diese Krankheit ist sowas von schizophren, dass ich mich und meine Gedanken kaum selbst noch ernst nehmen kann. Das eine Ich will Heilung, will Genuss, will frei sein und dieses selbige eine Ich bildet sich auch ab und an ein, Fortschritte gemacht zu haben, weil es mittlerweile Nahrung aufnimmt – viel Nahrung – zu viel Nahrung leider oft. Diese ungewohnte Nahrungsaufnahme gefällt trotzdem irgendwie dem einen Ich, sie macht sicher, zufrieden, lässt mich das Gefühl der Normalität zurück erlangen. Das Ich signalisiert mir, ich werde gesünder. Leider sieht man das auch – andere sehen mich und sagen „Du siehst endlich gesund aus. Stehen dir, die paar Kilos mehr.“ Und genau hier meldet sich das zweite, das andere Ich und schreit mich bei jedem Blick in den Spiegel an. Es schreit „Du bist fett. So kann ich dich nicht ertragen. So kann und wird dich niemand sonst ertragen.“ Ich nehme diese Schreie auf; ich sauge sie förmlich auf und empfinde Hass gegen mein Äußeres. Ich hasse dieses Äußere Bild von mir im Spiegel so sehr, dass ich mich verletze und mir Dinge antue, die mich vom Schmerz, den ich verspüre, wenn ich mein Spiegelbild sehe, ablenken. Und wegen diesem Empfinden, wegen diesem widerwärtig oberflächlichem Denken entwickelt sich auch Hass gegen mein Inneres. Denn das bin doch nicht ich. Ich bin nicht oberflächlich…

Willkommen im Teufelskreis. Die beiden Ichs rennen um die Wette. Keines der beiden gewinnt. Sie existieren parallel und miteinander gleichzeitig. Sie harmonieren irgendwie auch. Denn das schizophrene ist eben auch, dass die beiden Ichs vereint wunderbar Ratschläge an Gleichgesinnte verteilen können. Sie sehen auch andere Menschen ganz klar und erkennen ihre äußere und innere Schönheit und sie können Menschen optisch neutral beurteilen. Aber vereint in mir können sie nichts. Sie können rein gar nichts erkennen. Sie lassen mich auflaufen. Immer und immer wieder. Und ich fühle mich machtlos. Ich will und kann aber nicht.

 

 

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Ein Kommentar

  1. Die Angst sein Leben und seine Gefühl nicht unter Kontrolle zu haben..
    Und dann kommt die Lösung: Magersucht
    Der Gedanke „wenigstens mein Gewicht kann ich unter Kontrolle halten, Ja Ich bin stark“ wird übermächtig. Gefühle werden ignoriert und irgendwann abgetötet.
    Zu erkennen, dass man nicht die Kontrolle über sein Gewicht hat sondern dass die Magersucht die Kontrolle über das ICH übernommen hat ist der erste gute Weg zu Besserung.
    Nicht zur Heilung – ich zweifle das es die gibt 😦

    Kämpfen können wir. Das haben wir bewiesen. Wie haben gegen unser Gewicht gekämpft, gegen unsere Gefühle, gegen unseren Körperl
    Lasst uns kämpfen für: „Ja ich liebe mich und ich bin wertvoll weil ich bin“

    Tanja

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