Monat: November 2014

genauso und doch anders

Die Schizophrenie ist präsenter denn je. Ich dachte, es legt sich irgendwann. Nein, verkehrt. Ich dachte nicht ernsthaft daran, ich hatte (nur) die Hoffnung, es legt sich irgendwann. Aber absoluter Stillstand im Kopf. Stillstand im Vorankommen.

Doch kein Stillstand in all den wirren Gedanken, Spinnereien, die sich innerhalb dieser Krankheit im Kopf verankern. Sie sind wie eine fette Krake mit noch fetteren Armen, die sich ständig um diese miesen Gedanken schlingen, damit sie bloß nicht die Gelegenheit haben, zu entschwinden. Sie sind stark und ich habe keine Chance. Die Arme sind allerdings ja auch immer ein Schutz – Arme umarmen einen. Und wer sehnt sich nicht zwischendurch nach einer liebevollen, zärtlichen aber gleichzeitig starken Umarmung? Also, willkommen in der Schizophrenie! Ich hasse diese Krakenarme, will ihnen endlich entkommen und frei sein. Frei im Kopf und frei und fein mit meinem Körper. Gleichzeitig bin auch ich ein Mensch, der sich nach einer Umarmung sehnt und also, so what: hier ist sie. Die Krake umarmt mich, gibt mir immer wieder das Gefühl, ich kann und darf jederzeit – nein, ich soll auch jederzeit in ihre Arme zurückkehren. Da ist mein Schutz – mein Wohlbehagen. Irgendwie. Und hier ist auch die Kontrolle. Die Kontrolle, nicht wieder so fett zu werden, wie eine Krake.

Der Wille, endlich von all dem los zu lassen und „gesund“ zu werden ist stärker denn je. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr begreife ich, warum ich in diese Essstörung hineingerutscht bin. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr begreife ich auch, dass es sinnfrei ist, an einer Krankheit (was eine Essstörung ja nun leider definitiv ist), festzuhalten. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr begreife ich auch, dass nur ich allein dafür verantwortlich bin, etwas zu ändern und endlich freier im Kopf zu werden. Aber ganz ehrlich: Hier ist schon der Widerspruch. Ich allein bin verantwortlich dafür. Das sagen Ärzte, Therapeuten und Pfleger. Aber alle diese Personen sagen gleichermaßen, dass man es alleine kaum schafft aus dieser Misere hinaus zu gelangen. Also bitte, wie und was ist jetzt Phase?

Es gäbe für mich nichts schöneres, als da hinaus zu gelangen. Es ist mir mittlerweile sowas von egal, ob mit oder ohne Hilfe. Hauptsache weg mit dem ganzen Schlechten, das meinen Kopf so sehr beherrscht.

Mittlerweile habe ich viele Erkenntnisse gewonnen und mich bewußt von so vielem getrennt, das mir nicht gut tut. Auch von Menschen getrennt, die eigentlich gar keine Berechtigung auf einen Platz in meinem Leben oder gar in meinem Herzen hatten. Das ist mir immerhin schon einmal gelungen. Also irgendwie hat sich doch etwas getan… Doch wieso schaffe ich es, solch zum Teil schwierigen Entscheidungen zu treffen und sie durch zu ziehen, und aber gleichzeitig nicht, mich einfach mal dazu hinreißen zu lassen, eine Woche lang mal wie ein normaler Mensch zu essen? Es gibt doch nichts lapidareres. Nichts ist für einen normalen Menschen einfacher. Es gehört eben zum Leben dazu. Es ist NORMAL. Doch noch immer ist es so, dass ich entweder die Völlerei bis ins Nirvana celebriere oder ich achte an den anderen Tagen, die nicht im Völlerei-Nirvana enden darauf, nicht mehr als maximal 500 kcal zu mir zu nehmen.

Immerhin sieht man mir nicht mal mehr ansatzweise an, dass ich eine Essstörung habe. Doch ein Fortschritt also.

Also ist es genauso wie immer und doch anders.

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