miese beste Freundin mit all ihren Gegensätzen

Ich frage mich, ob ich wirklich schon wieder einen Eintrag hier machen soll, oder ob mein privates Tagebuch herhalten muss/darf/soll.

Da dieses Blog eh fast niemand kennt, entscheide ich mich für die Tastatur anstatt den Stift.

Meine Fragen, die mich quälen, meine Gedanken, die mich quälen, das alles habe ich schon 1000 mal aufgeschrieben. Damit beschäftige ich mich seit gefühlt ewiger Zeit. Oft renne ich davon und flüchte mich in eine Scheinwelt. Eine Welt, in der ich ganz normal bin. In der ich Freunde treffe und in einer Kneipe Spaß habe. In eine Welt, in der das Vergangene nie passiert ist und in der ich einfach Ich bin. Wer auch immer das ist… Eine Welt, in der ich glücklich bin und ein ganz normales Leben führe, wie jeder scheinbar in meinem Umfeld auch.

Flucht ist kein gutes Wort. Eigentlich hätte ich hier schon weitaus früher stutzig werden müssen. Hätte dem inneren Weckruf folgen sollen. Doch auch hier einfach Schlummertaste drücken und verdrängen. Flüchten. Aus meiner leider realen Welt.

Jetzt möchte ich das nicht mehr. Ich möchte am liebsten direkt hier & jetzt damit aufhören. Also, wieso gelingt es mir nicht? Wieso verschiebe ich unangenehme Dinge? Wieso gelingt es mir zum Teil nicht mal, meine Post zu öffnen, geschweige denn, sie zu bearbeiten? Warum lasse ich mich von meinen Gedanken quälen? Warum esse ich nicht das, wonach mir ist? Warum gebe ich mich einer Sucht hin? Warum kann ich die Vergangenheit nicht hinnehmen und auf Neustart gehen?

Wovor habe ich so innerliche Angst? Was ist es wirklich, das mich nicht schlafen lässt? Die Essstörung, der ich mein gesamtes Leben mittlerweile widme, sie ist da. Sie ist die mieseste und beste Freundin der Welt und sie ist mein Ventil. Ich habe das Gefühl, dass ich ohne sie nicht leben kann. Sie definiert mich doch. Oder? Was oder wer bin ich ohne sie? Mit und zum Teil wegen ihr habe ich Menschen aus meinem Leben verbannt, habe mich finanziell noch tiefer reinreiten lassen und mit und wegen ihr bin ich zu einem leeren Menschen geworden. Nichts erfüllt mich wirklich. Ich rede mir oft ein, dass ich etwas toll finde, dass mir etwas Spaß bringt, dass mir bestimmte Dinge gut schmecken oder gut tun. Dass ich genieße. Aber es stimmt nicht.

Nichts erfüllt mich. Ich habe das Gefühl, dass ich leer bin. Doch gleichzeitig satt und voll. Voll von Hass, Wut, Aggression und Ekel gegenüber meinem Körper. Diesen spüre ich zum Teil nicht. Oder wenn ich ihn spüre, wünsche ich mir, es nicht zu tun. Ich habe das Gefühl, dass er nicht wirklich zu mir gehört. Nur in den Momenten, wo ich spüre, dass ich zugenommen habe – da spüre ich, dass es mein Körper ist. MEIN Körper. Und ich kann ihn nicht leichter werden lassen ohne ständige Kontrolle. Ich kann ihn nur bedingt formen, so wie ich ihn gern hätte.

Ich könnte ihn natürlich wesentlich besser formen – Sport soll hier das magische Zauberwort heißen. Es wird uns ja immer und überall gepredigt, dass Sport und Fitness so wichtig sind. So wichtig, damit wir einen perfekt definierten Körper bekommen. So wie er erwartet wird von anderen. Von uns selbst. Schön muss er sein. Gut definiert muss er sein. Ein Bikini in den neuen Trendfarben muss einfach hervorragend an ihm aussehen. Genauso wie eine tolle Jeans, in der wir natürlich einen mega Knackpo brauchen, um akzeptiert und attraktiv zu sein.

Ich habe oft und lange darüber nachgedacht, warum Sport mir zu wider ist. Nicht, weil ich mich danach nicht vielleicht erleichtert und gleichzeitig ausgepowert fühle. Nicht, weil er mir nicht gut tun würde, um mir nach der Arbeit einen Ausgleich zu holen. Das alles wäre ja super. Ich glaube, dass ich eine innere Abneigung verspüre, mich in dieses toll definierte Bild eines erstrebenswert perfekten Körpers pressen zu lassen. Ich weigere mich, auf dieser Welle mitzuschwimmen, weil ich der Welt beweisen möchte, dass man auch ohne einen perfekten Körper etwas wert ist. Das ist ein Widerspruch in sich – das weiß ich. Ich bin es doch, die sich selbst nicht akzeptiert, weil ich unperfekt bin. Ich habe diesen Anspruch doch an mich, einen tollen Körper zu haben, um wenigstens äußerlich den meisten Ansprüchen meiner Umwelt gerecht zu werden. Ein kleiner aber gemeiner Beigeschmack einer jeden Essstörung. Man will äußerlich perfekt sein, um akzeptiert zu werden. Aber nein, eigentlich ist es das nicht. Ich will keinen tollen Körper haben. Ich will einen leichten Körper haben. Ich will einen so leichten Körper haben, dass ich ihn selbst immer weniger spüren muss.

Alles so widersprüchlich. Alles absolut nicht nachvollziehbar für „normale“ Menschen. Alles so gegensätzlich. Genau das ist es leider – dieses miese Ventil und ich kann nichts dagegen tun. So kommt es mir zumindest vor. Ich bin gelähmt, obwohl mein Wille stärker ist denn je.

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