Bald

BALD – Nur noch wenige Tage, dann ist sie vorbei. Eine Episode meines Lebens. . . Insgesamt ein viertel Jahr habe ich in der Klinik verbracht und ich zähle diese Monate zu den wichtigsten meines bisherigen Lebens. Klingt komisch oder überdramatisiert, sowas zu sagen bzw. zu schreiben, doch genauso ist es. So eine intensive Zeit, anders als vor zwei Jahren, als ich an einem der schlimmsten Punkte meines Lebens war. Noch anstrengender, noch viel intensiver, mit noch mehr Kampf dieses mal. Der Kampf war immens schwer, viel schwerer als damals, da mich die Kopflast mehr gekostet hat, als die körperliche – die Kilo-Last quasi. Die Kilolast war dieses mal nur Beigeschmack – nicht das Hauptgericht.

So viel erkannt, so viel gelernt, so viel gegessen, so viel geschmeckt und so viel mehr, das mir überhaupt nicht geschmeckt hat. Doch gegessen wurde trotzdem. Ich habe es geschafft, mir eine Chance zu geben. Der Vielfalt, die das Leben zu bieten scheint, eine Chance einzuräumen und sie zu nutzen. Ich habe erkannt, dass auch ich -frei von allen und jedem- für mich existieren und glücklich sein darf.

Von meiner demonstrierten Scheinwelt habe ich jetzt oft genug geschrieben, von dem Kampf mit dem bzw gegen den Italiener und die damit verbundene Völlerei auch. Davon will ich nicht mehr schreiben und ich möchte diese Dinge aus meinem Leben verbannen. Leider kann ich das nicht – passiert ist passiert… Also werde ich sie als einen Teil meiner Vergangenheit akzeptieren und sie zumindest immer mehr verblassen lassen bis sie hoffentlich auch aus meiner Erinnerung eines Tages ganz verschwinden.

Es war dringend notwendig, mich mit gewissen Themen, Dingen, Personen gedanklich auseinanderzusetzen. Gegen sie anzukämpfen. Sie zu akzeptieren. Und letzten Endes sie ziehen zu lassen. Ich lasse sie nun endgültig gehen. Da ist so viel, das mir nicht ganz klar war bis vor ein paar Wochen und so viel, das nie von mir ausgesprochen wurde und noch mehr, das ich einfach verleugnet habe. Doch all das ist jetzt an die Oberfläche gekommen – ich weiß immer klarer, was mir nicht gut tut. Normalerweise wissen die Menschen immer gleich, was ihnen gut tut und sie glücklich macht. Bei mir war/ist das anders. Ich habe kaum hinterfragt. Die Gelegenheit hatte ich mir nie eingeräumt, weil ich schon sehr früh vermittelt bekommen habe, dass ich funktionieren muss – nicht erst hinterfragen. MACHEN und still sein. Hab ich oft getan.

Jetzt ist es anders. Ich begebe mich auf die Reise und werde immer mehr suchen, das mir gut tut, das mich froh, zufrieden, glücklich sein lässt. Dabei werden mir sicherlich noch viele Dinge und auch Menschen begegnen, die nicht in meine neue eigene Kultur passen – doch ich bin wachsamer. Ich passe auf und werde etwas beherzigen, das mir in den letzten Wochen so oft ans Herz gelegt wurde: SELBSTFÜRSORGE. Das ist der Schlüssel.

Ich hoffe, dass ich dauerhaft bereit bin, weiter zu experimentieren, zu lernen, zu entdecken und letzten Endes auch abwechslungsreich und regelmäßig zu essen. Wenn ich behaupten würde, dass ich all das jetzt in den letzten Wochen/Monaten gelernt habe und gesund bin, würde ich lügen und mir mal wieder selbst etwas vormachen. Doch ich habe zumindest schon mal meinem Hirnfick ein Ende gesetzt – ich schlafe sogar wieder und ich kann schon ein paar wenige Momente genießen ohne zu denken. Das war vor einigen Monaten für mich unvorstellbar.  Diese Episode, die Klinikzeit, die mir so unendlich viel geraubt, doch noch unendlich viel mehr gegeben hat, geht jetzt wirklich bald zu Ende…

Ich blicke allem, was mich jetzt erwartet und was nun kommt, positiv und voller Respekt, vielleicht auch mit ein wenig Angst oder Ungewissheit entgegen und ich werde mich dem stellen. Mit gestärktem Rücken und Energie. Und Lebenshunger.

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