Monat: Oktober 2015

Segeln – nicht immer Kopfmensch

Gutes Gefühl, zu erkennen, dass man bzw. ich doch nicht immer Kopfmensch sein muss. Dachte noch vor ein paar Monaten, dass ich nicht in der Lage bin, mal einen relativ entspannten Tag ohne permanent arbeitende Gedanken erleben könnte. Kopf an – Vertrauen aus.

Bisher waren die Dinge, die zu den schrägsten und schlimmsten Theorien führten, leider immer die, die in der Praxis wirklich passierten und Theorie in Praxis umwandelten. In meine Praxis. Es gibt Menschen, die sich immer schlimme Situationen tief und so bunt wie möglich ausmalen, um zumindest schon mal theoretisch für den Praxisfall gewappnet zu sein. Sie bereiten sich ein Leben lang auf alles mögliche vor, das auf sie in ihrem langen Leben zukommen könnte. Aber nichts passiert und sie machen sich völlig umsonst ständig und überall eine Platte und am Ende ist Leben doch nicht lang, sondern zu kurz, weil man ständig die Theorie nicht bunt, sondern so schwarz gemalt hat, wie nur möglich.

Ich habe nie wirklich nachgedacht und kam völlig unvorbereietet, ungewappnet, ohne den Plan a – z im Hinterhalt oder Hinterkopf in diese Situationen, die ich mir in den schlechtesten und miesesten Stimmungen noch nicht mal hätte ausmalen können geschweige denn, wollen. Da hätte es noch so viele Farben geben können. Fazit ist, dass ich durch die leider wahr gewordene Praxis, schließlich zu einem totalen Kopfmensch geworden bin. Nicht eine Minute gefühlt, ohne mir den Kopf zu zermalmen. Man will nicht noch mal eine Millisekunde diese Ereignisse spüren und erleben. Also hinterfragen, warum hat man all das über sich ergehen lassen oder zugelassen? Am Ende immer und immer wieder die Frage, warum ich sogar zugelassen habe, mich in eine facettenreiche, widerlich an mir haftende  Krankheit fallen zu lassen, die mich zu einem anderen Menschen gemacht hat. Bzw. nur noch zu einer Hülle eines gefühlt nicht wirklich existierenden Menschen werden lassen.

Jetzt ist es irgendwie so gekommen, dass ich ohne bewusst daran zu arbeiten, immer freier werde.  Da passieren Momente, da kommen Menschen, die mich irgendwie unbewusst dazu leiten, einfach zu sein. Ohne mir Gedanken darüber zu machen, was sie gerade von mir denken, was sie wohl von mir erwarten, was ich tun muss, damit sie ein bestimmtes Bild von mir haben und dieses zu wahren. Was ich tun muss, um zu verbergen, dass mein Leben nicht immer seicht dorthin segelte, wo ein bestimmter Lebensentwurf darauf wartet, erfüllt zu werden. Es gab mal Ziele in meinem Leben oder Punkte, die ich meinte, erreichen oder erfüllen zu müssen. Seit ein paar Jahren, seit ich Kopfmensch wurde, gibt es die nur noch in der Theorie. Die Praxis sieht anders aus, da kann ich meine Gedanken noch so sehr versuchen, zu kontrollieren oder zu steuern – oder zu erlischen. Hat nie funktioniert und je weniger es funktionierte, desto angestrengter versuchte ich, es funktionieren zu lassen. Sie zu unterdrücken, zu löschen, umzulenken oder was auch immer. Hauptsache all der Scheiß raus aus meinem Kopf. Zurück zu Astrid. Hatte ich dann auch irgendwann aufgegeben. Zumindest zu 99%. 1 Prozent suchte Hilfe. 1 Prozent suchte Stabilisierung und Zuversicht.

Und irgendwie, ganz unbewusst scheint sich alles wieder zu regenerieren. Fühlt sich sowas von gut an, festzustellen, dass der Kopf doch auch mal aus sein kann. Fühlt sich noch besser an, wieder oder mal ganz Astrid zu sein.

Mein Leben ist sicher nicht dazu bestimmt, seicht irgendwohin zu segeln. Es wird immer größere Wellen geben, sie werden immer ein Teil von mir sein. Aber  wer sagt, dass Wellen immer gefährlich und super unruhig sein müssen? Irgendwie mag ich Wellen, sie bewegen sich und sie bewegen mich. Niemand –außer einzig mein schwerer Kopf- sagt, dass Wellen einen zwangsläufig in den Abgrund reißen. Also, warum nicht einfach mitschwimmen…?