Monat: Dezember 2015

Liebe. Schenken.

Jetzt an Weihnachten wird gefühlt so viel Liebe, so viel Zuneigung geschenkt, wie das ganze Jahr über sonst nicht. Weil es in uns drin ist, dass Weihnachten das Fest der Liebe ist und weil man da Menschen trifft, die man zum Teil das ganze Jahr nicht sieht. Familien kommen zusammen, genießen ein paar Stunden/Tage miteinander und sind auf Harmonie untereinander bedacht. Auch wenn Weihnachten mit der ganzen Familie zum Teil für viele Menschen sehr anstrengend sein kann bzw. ist und Stress oft unvermeidbar ist, möchte ich behaupten, dass es trotz der einzelnen Macken, die Onkel Günter, Opa Willy und Cousine Tanja an den Tag legen, doch wichtig, schön und unverzichtbar ist, gerade mit ihnen diesen schönen anstregenden Stress zu teilen. Alle sitzen gemeinsam am Tisch; es wird durcheinander gesprochen, Weinflaschen werden geleert, man diskutiert über Erfolg im Job, gesprengte Geldautomaten in der Stadt, Beziehungen und Kindererziehung… scheußlich anstrengend und doch insgeheim herrlich inspirierend.

Diese besondere Magie, die Weihnachten in Bezug auf Harmonie, Gemütlichkeit, Vorfreude, Liebe, Glanz und Miteinander hat – diese Magie bedeutet für mich viel. Es mag noch so kitschig in mancherlei Augen erscheinen, aber diese Magie hat was. Und sie funktioniert – in Filmen, Traditionen, Liedern – also muss auch irgendwie etwas dran sein.

Warum schenken oder bewahren wir uns dann diese Magie nicht auch im Alltag  das ganze Jahr über? Ich sehe ein, dass es dann nichts besonderes mehr wäre zu dieser ganz speziellen Zeit und ich bin stark dafür, dass gewisse Weihnachtstraditionen innerhalb jeder eigenen Familie oder Freundeskreis beibehalten und celebriert werden sollen. Aber es geht doch letzten Endes um den Kern – die Liebe und Innigkeit. Und ich finde, dass dieses Gefühl auch ruhig intensiver und bewußter gelebt werden darf. Nicht nur, weil Weihnachten ist. Ich möchte den Menschen, die mir etwas bedeuten dies auch in anderen Zeiten zeigen.

Zu Weihnachten kümmern sich die Menschen umeinander. Es werden zahlreiche Specials für Obdachlose und Flüchtlinge organisiert, wir spenden mehr, schreiben Karten an Menschen, die nicht in unserer Nähe sind. Handschriftliche Karten meine ich – ist heute nicht mehr selbstverständlich. . . für mich ist eine handschriftliche Karte auch im Frühjahr oder Herbst etwas ganz besonderes. Die „Mühe“, die sich jemand für mich in dem Moment macht, spricht mich an. Eine What´s App Message zu versenden, dauert im Prinzip nicht viel weniger, und doch besiegen die Tannenbaum- und Kussmund-Emojis den mit der Hand gemalten kleinen Stern auf der Postkarte…

Ich gebe einem Obdachlosen auch gerne im Sommer ein Brötchen – der Hunger ist der gleiche wie zur Weihnachtszeit. Wir haben letzten Endes alle Hunger – Hunger nach Nahrung, aber auch nach Liebe, Respekt und Wertschätzung.

Die kleinen Dinge, wie das Brötchen oder die handgeschriebene Karte, sind wertvoll. Immer – zu jeder Zeit. Ich behaupte, für jeden.

Liebe kann man das ganze Jahr über in den verschiedensten Formen und Ausdrucksweisen verschenken. In der puren Form der Zuneigung, in der Form von Vertrauen, in der Form von Sein-Lassen und Akzeptieren… Es gibt tausend Dinge, die ich gern nennen würde.

Also, schenkt euch Liebe. Nicht nur zu Weihnachten.

 

 

Advertisements

Filmtitel „Ein Tag frei“

Ein Tag frei. Einen Tag lang nur Schlaf nachholen, der mir die letzten Nächte gefehlt hat. Unruhige Nächte gefüllt mit den verschiedensten Gefühlen, Krämpfen und nicht leise werden wollendem Kopfkino. Kopfkino dieses mal etwas anders als sonst. Kein direkter Psychothriller mehr – eher ein Roadmovie… nicht klassisch ich auf dem Highway mit zu diesem Bild passender Musik, aber schon ich auf dem Weg und auf der Suche. Beziehungsweise stimmt Suche auch nur bedingt. Denn im Film gibt es einige Szenen, die zeigen, dass ich schon auf dem Weg des Findens bin. In den letzten Wochen gibt es immer mehr Momente, in denen ich mir einbilde, mich besser zu verstehen, mich intensiver und vor allem auch zum Teil bewußt wahrnehmen. Ich mich bewußt wahrnehmen? Vor einigen Monaten absolut nicht denkbar. Im Film bzw. im ehemaligen Thriller waren es genau die Szenen, in denen es laut und aufgeregt wurde; in denen Spiegel zerstört wurden, aus dem Fenster geschmissen oder einfach mit Decken verhängt wurden. Szenen gefüllt mit Schreien, Weinen, Fluchen, Aufgeben, Selbstverletzungen, Resignieren. Aber auch Hingabe – nur leider der falschen Sache bzw. Sucht. . .

Bis heute weiß ich nicht genau, an welchem Punkt exakt mir dieser Psychothriller zu unheimlich wurde. Jahrelang habe ich in einem solchen gelebt. In meiner Kindheit war es eher ein Mix aus Psychothriller und einfach nur Drama. Zwischenzeitlich war es dann wirklich eine Art Roadmovie gepaart mit Abenteuer und sogar Komödie – die Zeit, in der ich tatsächlich bei mir war. Die Zeit, in der ich in mir wohnte. Doch so schnelllebig wie es in Hollywood eben ist, war es auch bei mir. Ich bediente die letzten Jahre die Genres Drama, Horror, Psycho und Katastrophenfilm mehr als perfekt und erfüllte die gesamte Bandbreite. Zwei mal in den letzten Jahren wollte ich mir & Hollywood ein endgültiges Ende setzen und die Klappe fallen lassen.

Irgendwie -Dank, was oder wem auch immer- ist es anders gekommen und ich befinde mich mittlerweile in den verschiedensten Szenen. Ich habe tatsächlich angefangen, meinen eigenen Film zu drehen und wie bereits erwähnt, macht es mir seit einigen Wochen oder wenigen Monaten sogar weniger Mühe. Es ist Arbeit; nach wie vor harte Arbeit, aber eine Art von Arbeit, der ich gerne nachgehe.

Dieses Erfühlen und Wahrnehmen meiner Selbst, ohne gleich einen absoluten Zusammenbruch zu bekommen… dieses neue Kennenlernen und Ertasten, Austesten und einfach zu sein – das ist eine völlig neue Erfahrung und ich lerne, sie anzunehmen und zu genießen.

Es gibt immer noch so riesige Zweifel an meinem Selbst und so große Komplexe, gerade was mein Äußeres betrifft. . . Kann es da also sein, dass der Film trotzdem weiterläuft und ich dran bleibe?

Scheint so – irgendwie stelle ich fest, dass es sich lohnen könnte. Nicht zuletzt, weil ich auf Menschen gestoßen bin, die mir tatsächlich beweisen, dass es sich lohnen könnte. Die bei mir sind oder mich nehmen, wie ich bin – scheinbar bedingungslos. . .

Meinen freien Tag heute jedenfalls, konnte ich ziemlich entspannt verleben. Es gibt vom heutigen Tag ausschließlich Szenen, in denen es um mich geht. Jeder Zuschauer würde sich wohl gähnend langweilen, doch heute bin ich einfach gleichermaßen Zuschauer, Regisseur und Darsteller und ich bin mir selbst genug und in keiner Minute überdrüssig. Dieses Gefühl will ich festhalten. Wer weiß, wann es noch einmal solche Szenen gibt…

Hör auf die Stimme

Gerade ein Lied gehört, in dem er singt „Hör auf die Stimme, hör was sie sagt – sie war immer da“… „sie macht dich stark“…  Ich frage mich, ob es stimmt – hatte ich schon immer eine eigene Stimme? War sie immer da? Es geht um Bauchgefühl und obwohl ziemlich simpel hält mich dieser Song gefangen.

Ich kann mich erinnern, da gab es definitiv eine Stimme in mir – und die habe ich auch sehr sehr gern nach außen getragen. Oft und oft laut. Manchmal auch leise, aber selten blieb sie in mir. Und doch gab es auch immer, schon seit meiner frühen Kindheit, eine Grenze, die ich verbal nicht überschreiten durfte. Aber sobald ich aus meiner Kindheit ins Erwachsensein, sprich ins Volljährigsein glitt, überschritt ich sie, die erste Grenze. Die Grenze, die mir mein damaliges „Zuhause“ auferlegte. Und es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Glückseligkeit, von Abenteuerlichkeit und Neugier. Und da gab es nur noch die alltäglichen Grenzen, mit denen wir alle zu tun haben. Aber ich durfte endlich auf meine Stimme, die so lange in mir war, hören. Ich hörte sie, fühlte sie – und fing an, sie wie beschrieben, nach außen zu tragen. Herrlich. Ehrlich. Mein Ich. Endlich.

Leider nicht unendlich. Irgendwie setzte sich das Einprogrammierte von damals doch irgendwie durch und übertönte meine Stimme. Ich geriet in eine Misere, wie ich sie mir nicht annähernd hätte ausmalen können. Schnell wurde sie immer leiser, die Stimme in mir, die mir von Beginn an über alle möglichen Kanäle zurief, es ist falsch. Ich durfte sie nicht mehr nach außen tragen, sie wurde immer leiser, ich durfte sie nicht mehr hören und ich hörte sie nicht mehr. Keine innere Stimme mehr – weder verbal noch körperlich konnte und durfte ich mich zur Wehr setzen.

Er singt von Bauchgefühl. Es gab irgendwie kein Bauchgefühl mehr. Irgendwie mußte es aber doch zurück kommen…? Die Lösung war Hungern. Meine Lösung war Hungern. Da spürte ich meinen Bauch wieder. Er schrie – die Stimme verlangte nach Essen. Verweigerung ließ mich die Stimme immer deutlicher hören. Es gab da also doch noch etwas in mir. Aber was, wenn ich aufhörte, zu hungern? Dann würde die Stimme wieder leiser… Also Kontrolle behalten und weitermachen. Der positive Nebeneffekt war gleich in zweifacher Ausführung vorhanden: ich wurde dünner und ich hatte die Hoffnung, irgendwann gar unsichtbar zu werden und nichts mehr spüren zu müssen. Zumindest gegenüber oder für eine bestimmte Person. Fast hätte ich es geschafft.

Jetzt, 2,5 Jahre später, etliche Höhen und noch mehr Tiefen später, höre ich wieder etwas. Ich merke, es gibt definitiv eine Stimme in mir, die auch ausgesprochen und gehört werden will. Manchmal muss ich noch ganz konzentriert nach ihr suchen, doch eigentlich ist sie permanent wieder zu spüren. Er singt auch „…sie macht dich stark“. Das Gefühl habe ich mittlerweile sogar.

Ich weiß mein Sein und mein Leben wieder zu schätzen. Ich habe Lust und ich habe Leidenschaft. Ich kann zum Teil wieder genießen – das Sein sowie das Essen. Mein Bauchgefühl hat mir vor Kurzem mit ganz fester Stimme gesagt „Du mußt gesund werden und wieder leben & lieben lernen. Du mußt genießen und mit dir sein. Egal, was andere von dir, deinem Aussehen und deinem Körper denken.“ Ich finde, dass meine Stimme und mein Bauchgefühl sich noch nie einiger waren und ich werde einfach weiter auf sie hören! Und mittlerweile gibt es sogar bereits wenige wundervolle Menschen, die mir versuchen, zu bezeugen und zu beweisen, dass meine (neue) Stimme anscheinend recht hat…