Hör auf die Stimme

Gerade ein Lied gehört, in dem er singt „Hör auf die Stimme, hör was sie sagt – sie war immer da“… „sie macht dich stark“…  Ich frage mich, ob es stimmt – hatte ich schon immer eine eigene Stimme? War sie immer da? Es geht um Bauchgefühl und obwohl ziemlich simpel hält mich dieser Song gefangen.

Ich kann mich erinnern, da gab es definitiv eine Stimme in mir – und die habe ich auch sehr sehr gern nach außen getragen. Oft und oft laut. Manchmal auch leise, aber selten blieb sie in mir. Und doch gab es auch immer, schon seit meiner frühen Kindheit, eine Grenze, die ich verbal nicht überschreiten durfte. Aber sobald ich aus meiner Kindheit ins Erwachsensein, sprich ins Volljährigsein glitt, überschritt ich sie, die erste Grenze. Die Grenze, die mir mein damaliges „Zuhause“ auferlegte. Und es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Glückseligkeit, von Abenteuerlichkeit und Neugier. Und da gab es nur noch die alltäglichen Grenzen, mit denen wir alle zu tun haben. Aber ich durfte endlich auf meine Stimme, die so lange in mir war, hören. Ich hörte sie, fühlte sie – und fing an, sie wie beschrieben, nach außen zu tragen. Herrlich. Ehrlich. Mein Ich. Endlich.

Leider nicht unendlich. Irgendwie setzte sich das Einprogrammierte von damals doch irgendwie durch und übertönte meine Stimme. Ich geriet in eine Misere, wie ich sie mir nicht annähernd hätte ausmalen können. Schnell wurde sie immer leiser, die Stimme in mir, die mir von Beginn an über alle möglichen Kanäle zurief, es ist falsch. Ich durfte sie nicht mehr nach außen tragen, sie wurde immer leiser, ich durfte sie nicht mehr hören und ich hörte sie nicht mehr. Keine innere Stimme mehr – weder verbal noch körperlich konnte und durfte ich mich zur Wehr setzen.

Er singt von Bauchgefühl. Es gab irgendwie kein Bauchgefühl mehr. Irgendwie mußte es aber doch zurück kommen…? Die Lösung war Hungern. Meine Lösung war Hungern. Da spürte ich meinen Bauch wieder. Er schrie – die Stimme verlangte nach Essen. Verweigerung ließ mich die Stimme immer deutlicher hören. Es gab da also doch noch etwas in mir. Aber was, wenn ich aufhörte, zu hungern? Dann würde die Stimme wieder leiser… Also Kontrolle behalten und weitermachen. Der positive Nebeneffekt war gleich in zweifacher Ausführung vorhanden: ich wurde dünner und ich hatte die Hoffnung, irgendwann gar unsichtbar zu werden und nichts mehr spüren zu müssen. Zumindest gegenüber oder für eine bestimmte Person. Fast hätte ich es geschafft.

Jetzt, 2,5 Jahre später, etliche Höhen und noch mehr Tiefen später, höre ich wieder etwas. Ich merke, es gibt definitiv eine Stimme in mir, die auch ausgesprochen und gehört werden will. Manchmal muss ich noch ganz konzentriert nach ihr suchen, doch eigentlich ist sie permanent wieder zu spüren. Er singt auch „…sie macht dich stark“. Das Gefühl habe ich mittlerweile sogar.

Ich weiß mein Sein und mein Leben wieder zu schätzen. Ich habe Lust und ich habe Leidenschaft. Ich kann zum Teil wieder genießen – das Sein sowie das Essen. Mein Bauchgefühl hat mir vor Kurzem mit ganz fester Stimme gesagt „Du mußt gesund werden und wieder leben & lieben lernen. Du mußt genießen und mit dir sein. Egal, was andere von dir, deinem Aussehen und deinem Körper denken.“ Ich finde, dass meine Stimme und mein Bauchgefühl sich noch nie einiger waren und ich werde einfach weiter auf sie hören! Und mittlerweile gibt es sogar bereits wenige wundervolle Menschen, die mir versuchen, zu bezeugen und zu beweisen, dass meine (neue) Stimme anscheinend recht hat…

 

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