Wann?

Wann? Dieses eine Wort als simple Frage formuliert ist in der Antwort leider gar nicht mehr so simpel … Ich frage mich ständig: Wann? Wann kann ich vergessen, was war? Wann werde ich gesund? Wann höre ich endlich auf, mich vollzustopfen? Wann habe ich endlich kopffrei? Wann hören meine Zweifel auf? Wann lerne ich meinen Körper akzeptieren geschweige denn zu mögen? WANN?

Ich ertrage es nicht mehr. Ständig Rückfälle und ständig werde ich wieder und wieder mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Ich will und kann nicht mehr. Etwas hat sich geändert in der Zeit, in der  ich diese Erinnerungen und diese Krankheit in mir trage. Ich möchte leben und weitermachen. Das war nicht immer so und schon gar nicht selbstverständlich. Das hat sich mittlerweile geändert und ich bin froh und dankbar dafür. Und doch bin ich einfach am Ende meiner Kräfte. Ich kann und will nicht mehr kämpfen. Ganz einfach – ich kann nicht mehr. Ich lande immer wieder am gleichen Punkt und zermatere mich. Ich zerfleische mich mit meine Gedanken und der Hirnfick nimmt einfach kein Ende. Ich bin nicht gut genug. Ich bin hässlich. Ich habe nichts zu bieten. Ich bin wertlos.

Und ich lande immer wieder im gleichen Schema. Wann hört das auf? Wann verinnerliche ich eine oder die neue Sicht auf die Dinge, die ich doch theoretisch so gut verstanden habe. Ich weiß schon, warum mein altbekanntes Schema dieser Krankheit immer und immer wieder aufs Neue greift. Ich weiß, wo die Ursache meines zerstörten Ichs liegt. Die Kernursache und die zwei weiteren ausschlaggebenden Ursachen – ich kenne sie in- und auswendig und habe sie bis ins Mark analysiert, besprochen, verstanden, versucht zu vergessen oder zumindest als einen Teil meines Lebens akzeptiert.

Diese Ursachen führen mich immer wieder in ein Schema, in MEIN Schema, das die Krankheit so wundervoll hässlich ausgereift hat. Zart wie ein bildschöner weicher Pfirsich, der in wunderwollem blassen rosa und immer vollerem und tieferem rot sein Antlitz findet. Und dann nimmst du den Pfirsich aus der Obstschale und fasst in eine matschige, ekelhaft bräunliche Stelle und stellst fest, dass er überreif ist. Überreif – das sollte mein Krankheitsschema oder Muster oder wie auch immer man es nennen mag, auch sein. So, dass ich es nehmen kann und einfach wegwerfen kann, wie eben den schlechten Pfirsich auch. Doch ich kann sie nicht greifen, diese widerwärtige Krankheit. Ich kann sie begreifen, doch das hilft mir nicht. Wegwerfen ist nicht. Sie ist noch immer da und legt sich wie ein Mantel um meine Schultern. Es ist kalt, also wärmt sie mich. So einfach ist das.

Mein Schema ist im Prinzip so einfach. Ganz einfach zu erklären, dass es sogar Menschen nachvollziehen können, die nichts mit der Krankheit zu tun haben oder nicht eine solche Vergangenheit haben.

Ich wurde auf eine sehr andere Art erzogen, als es normal ist. Ich wurde programmiert. Spaß und Liebe kamen schlichtweg zu kurz und seither habe ich innerlich Selbstzweifel. Diese wurden durch meine letzte Beziehung mehr als verstärkt und ich wurde innerlich komplett gebrochen.

Leben war und wurde für mich nur noch ein Wort.

Auch, wenn es zwischenzeitlich immer wieder Phasen in meinem Leben gab, in denen es mir sehr gut ging und ich sogar den Ansatz hatte, mich glücklich zu fühlen -ob ich es war, weiß ich nicht wirklich-, so kamen dann immer mehr oder minder gleich pervers harte Ereignisse, die mir wieder zeigten: du, Astrid – du darfst und wirst nie glücklich sein. Verboten.

Tja, und jetzt ist da gerade eine Phase, in der es mir tatsächlich sehr gut geht – eigentlich. Ich habe eine einzigartige Freundschaft vertieft, die mir täglich aufs Neue zeigt, dass ich es vielleicht doch wert sein könnte. Die mir Spaß, Ernst, Liebe, Freude, tiefe und seichte Gespräche, Gelassenheit, Vertrauen, Ungezwungenheit gibt. Es gibt kein größeres Geschenk. Und noch etwas ist passiert, mit dem ich in meinem Leben nie gerechnet hätte, das mich aber unheimlich berührt und glücklich macht und mir eine Gefühlswelt eröffnet, die ich nicht kenne oder kannte bisher. Also eigentlich ist emotional alles wundervoll.

Und prompt ist er wieder da – der Mantel, der mich einwickelt. Die Krankheit, die mich eingewickelt hat. Für immer? Wann hört es auf? Wann höre ich endlich auf, in das Schema zu fallen und mich vollzustopfen, damit ich mich danach so widerlich und ekelhaft fühle? So fett und absolut hässlich? Für dieses Gefühl nach der Völlerei gibt es keinen Ausdruck. Ich finde keine Worte, die es annähernd beschreiben könnten. Ich fühle mich ekelhaft – innerlich und äußerlich. Und so jemanden will keiner und mit so jemandem hat niemand Spaß und so jemanden begehrt man nicht. So jemanden möchte man nicht berühren und mit jemandem, der bzw. die so hässlich ist, will man einfach, ganz simpel, nichts zu tun haben.

Damit ist der Kreis wieder rund. Das programmierte Ich darf nicht glücklich sein. Wenn es die anderen nicht machen, tu ich es eben selbst – ich beweise es mir, indem ich mich einfach vollstopfe und rückfällig werde.

Also, wann vertraue ich endlich? Wann hören die Zweifel auf? Wann hört die Angst auf?

Immerhin stelle ich diese Frage. Ich frage, wann es aufhört. Ich sage nicht mehr, DASS es nicht mehr aufhört. Immerhin ein Fortschritt, den ich nicht missen möchte. Und ein bisschen Vertrauen ist doch irgendwie da – sonst hätte ich mich nicht auf diese Freundschaft eingelassen und würde es nicht von Tag zu Tag wieder tun. Ich will sie nie wieder missen… Und irgendwie scheint noch eine andere Art Vertrauen in mich selbst geboren zu sein – sonst würde ich mich nicht in diese noch so wahnsinnig ungewisse, aber unheimlich spannende, schöne und wertvolle Situation fallen lassen. Dieses andere Ereignis, das mir ebenfalls gerade zeigt, dass ich ICH sein darf und sogar soll.

Also versuche ich darauf zu vertrauen, dass ich den Mantel irgendWANN nicht mehr brauche. Mit diesem Versuch hangele ich mich irgendwie in den nächsten Tag…

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s