aus dem Weg – ab auf den Rummel

Auf die Frage WANN? habe ich bisher noch keine Antwort erhalten. Natürlich nicht und ich werde auch nie eine Antwort darauf erhalten. Damit werde ich mich abfinden müssen. Womit ich mich nicht abfinden will und muss, ist immer wieder schwach zu werden. In meiner stärksten Zeit werde ich am schwächsten. So wie jetzt. So viele Rückfälle in letzter Zeit, und so viele unbeschreiblich schöne Momente in letzter Zeit. Beides meilenweit voneinander entfernt und doch liegen nur Sekunden zwischen Hoch und Tief.

Ich bin mal wieder auf diesem Rummel, auf dem ich immer wieder lande. Die Losverkäufer, die mir schon einmal meinen Weg versperrt hatten und mir diese schönen bunten, kleinen geheimnisvollen Lose zart aber bestimmt in die Hände gelegt haben. Für alle bezahlte ich und eines nach dem anderen öffnete ich und ich bekam – was auch sonst – Nieten. Ich habe schon immer viel bezahlt für Nieten. . . Also lief ich weiter an allen Buden und bunten Fahrgeschäften vorbei und bildete mir ein, dass ich auch mit einer Niete, einem Aussichtslos den Hauptgewinn ziehen könnte.

Heute bin ich wieder auf dem Rummel. Ich laufe in einem Spiegellabyrinth durch die schmalen Gänge und an jeder Ecke bin ich unsicher. An jeder Ecke sehe ich mich im Spiegel – eine mehr als große Herausforderung und noch größere Überwindung für mich. In dem einen Spiegel strahle ich; ich sehe eine verdammt befreite und glückliche Astrid, die so gesund und erfüllt ausschaut, wie seit Jahren nicht. All die anderen um mich herum scheinen es mir mit ihrem Lächeln noch zu bestätigen. Wie in meinem realen Umfeld momentan auch. Ich bekomme ungefragt tolle Komplimente und schöne Worte; sogar von Menschen, von denen ich niemals erwartet hätte, dass sie mich überhaupt wahrnehmen.

Anstatt hier und jetzt den richtigen Ausweg aus diesem Labyrinth zu nehmen, der gleich neben mir liegt, zum Greifen und Schreiten nah; der für mich quasi sichtbar ist, laufe ich weiter. Es kann doch nicht so einfach sein…? Hier schon raus aus diesem ewigen nicht endenden Teufelskreis und Labyrinth und einfach das Glück genießen?? Das geht nicht. Sowas kenne ich nicht. So einfach war es nie und so einfach darf & kann es nicht sein… Die nächsten Ecken warten und ich kann und darf sie nicht ungeachtet lassen.

Die Spiegel kommen mir auf einmal viel wuchtiger vor. Meine Zweifel, meine Ängste und diese Spiegel wiegen schwerer und schwerer und scheinen über mich einzustürzen. Ich sehe mich; ich sehe keine Frau, die strahlt. Ich sehe mich, so wie ich mich eben sehe. Nichts zu bieten, hässlich und dick. Fett. Ich sehe mich – hungrig nach Leben, das nicht nur noch ein Wort sein soll, sondern Realität. Hungrig auf mein Leben und hungrig nach Freiheit. Ich muss mich sättigen – mit Bestrafung meiner Selbst und mit dem Beweis, dass der Ausweg eben doch nicht so leicht ist. Die Spiegel schreien mir entgegen „hier lang, hier lang…“ ich folge ihnen und vermeide es, in sie hineinzusehen. Ich bin am schwächsten, wenn ich am stärksten bin. Ich will einfach nur noch den Schreien folgen und mir endlich dieses ungewisse Gefühl des schönen Glücks nehmen. Ich laufe immer schneller und schneller und endlich lande ich am Ausgang. Kein Ausweg. Nur der Ausgang – der Ausgang ist der Italiener. Die absolute Völlerei. Endlich wieder schlecht fühlen und das Vertraute spüren. Dem Neuen, dem Glück die Chance verwehren, mir zu zeigen, dass es vielleicht auch in mir ein Zuhause finden könnte… Wieder in den programmierten Modus – das kann ich am besten. Schwach werden. Schwach sein. Ich bin satt und ich bin ES satt.

Ich sehne mich nach dem Ausweg. Mir nicht mehr im Weg stehen – vielleicht einfach auf einen anderen Rummel gehen. Irgendwo ist er – ein schöner bunter Rummel, wo der Losverkäufer mit dem Hauptgewinn auf mich wartet. Ich greife in den Loseimer und ziehe und wähle mein Glück und warte nicht mit Hundeblick, bis mir der Losverkäufer die Nieten zart in meine Hände legt und ich wieder im nächsten Labyrinth lande.

 

 

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