19 Tage

19 Tage. 19 komplette, ganze Tage – 19 x 24 Std. Besagte 19 Tage ist es nun her, dass ich zum letzten mal meiner Sucht nach der italienischen Völlerei nicht widerstehen konnte. Die vergangenen fast drei Wochen waren so nervenaufreibend, dass ich es nicht annähernd in Worte fassen kann – deshalb versuche ich es erst gar nicht. Doch eines muss ich einfach hier noch mal für mich selbst schwarz auf weiß festhalten: Ich habe es geschafft. Ich habe etliche Kämpfe in diesen vergangenen 456 Stunden durchfochten. Mein Hirn hat mich in den letzen 27.360 Minuten etliche mal gefickt und es mir unendlich schwer gemacht, überhaupt zwischenzeitlich zu funktionieren. Bestehen und leben ist keine olympische Disziplin, doch wenn sie es wäre, dann hätte ich endlich mal einen Sieg – die Goldmedaille. Eine goldene Medaille geprägt mit Stolz für mich allein. Es ist in jedermanns Augen sicher mehr als lächerlich, doch sich einer Sucht nicht hinzugeben ist hart. Ich bin nicht „klassisch“ süchtig nach Drogen oder Alkohol – ich bin süchtig nach diesem speziellen Essen dieses speziellen Italieners, über den ich schon haufenweise geschrieben habe. Süchtig nach der totalen Völlerei und anscheinend dem, was es mir gibt – was auch immer es ist.

19 Tage. Scheisse, ich habe keine Ahnung, wie mein Körper und ich in diesen Tagen existieren konnten, wie ich es geschafft habe. Überlebt habe. Aber ich ahne, dass es mir gut tut. Ich weiß gar nichts. Aber ich habe eine Ahnung davon, wie glücklich ich gerade bin und wie ich mich fühle. Ich habe eine Ahnung, dass mir dieser persönliche Erfolg gut tut und mir Kraft, Energie und Motivation für alles gibt, das kommt. Ich habe eine Ahnung, oder besser gesagt, eine/die Hoffnung, dass es mir irgendwann gelingen wird, meine Essstörung irgendwie überwinden werde. Dass ich die vergangenen Geschehnisse, die mich in diese Sucht, in diese Essstörung getrieben haben, nicht vergessen kann, ist mir mehr als bewußt. Aber ich hoffe und ahne, dass ich zumindest damit irgendwie leben kann und dass es mir gelingen wird, zumindest die Konsequenz aus den Geschehnissen alias Essstörung oder Sucht – wie auch immer ich es betiteln will – bezwingen werde. Für 1.641.600 Sekunden ist es mir gelungen. Ich mache weiter. Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen. Vielleicht kann ich ja morgen schon sagen: 20 Tage.

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