Monat: Juli 2017

Was wäre, wenn?

Was ist, wenn ich auf einmal jemand anderes zu sein scheine, es aber gar nicht bin? Ist man wirklich jemand anderes, wenn man sich körperlich verändert? Was motiviert uns Menschen dazu, jemanden über sein Äußeres zu definieren oder einzuordnen? Einzusortieren in irgendeine Schublade in einer alten Kommode? Unten die unwichtigen Sachen; dort, wo es unbequem ist, sie zu erreichen und deshalb dieser Schublade selten Beachtung schenken muss. In der darüber die Dinge, die man mag, aber sich nicht allzu oft traut, sie anzuziehen, weil sie irgendwie anders sind und es ein wenig Mut oder Selbstbewußtsein erfodert, sie zu tragen. An diese Schublade muss man auch eher seltener ran. In die oberen beiden die Dinge, die man kennt, wo man weiß, dass es passt. Man sieht die Klamotte und nimmt sie mit, weil sie auf Anhieb recht gut gefallen und sitzen/passen.

Ich für meinen Teil wollte wohl immer eher in die oberen Schubladen einsortiert werden. Ich mache mich immer irgendwie passend und hoffe, zu in irgendeiner Art und Weise zu gefallen. Ich passe mich an; bin einfach in der Handhabe – für die meisten. Doch jetzt, wo ich irgendwie anscheinend wieder zum x-ten mal in meinem ganzen Leben das Gefühl hatte, passen zu müssen, gefallen zu müssen – jetzt bekomme ich aus sämtlichen Richtungen Kritik zu spüren. Nicht, was mich und meine Person anbelangt, sondern eher, was mein Äußeres anbelangt. Ich bekomme zu hören, ich habe nicht mehr viel an mir dran. Ob ich krank sei; dass ich ja an Gewicht verloren habe; dass ich so harte und ernste Züge hätte; dass ich nicht weiblich bin; dass ich keinerlei Kurven mehr habe, die mich doch vorher so gekleidet haben; dass ich wie ein Fähnchen im Wind wirke.

Ich frage mich, woher all das rührt. Vor einem Jahr circa, da habe ich so etwas nicht zu hören bekommen. Da hörte ich immer mal wieder ein nettes Kompliment, wurde angesprochen oder angeflirtet und alles war irgendwie normal.

Wieso scheint normal nicht gut zu sein, wenn sich doch so viele Menschen, mich eingeschlossen, genau eigentlich nach diesem Zustand sehnen? Warum muss man irgendwie anders sein, um aufzufallen? Warum scheine ich unbewusst, auffallen zu wollen? Ich weiß zum Teil schon die Antwort – weil ich in entscheidenden Phasen meines Lebens nicht aufgefallen, oder besser: als ich wahrgenommen und akzeptiert wurde. Aber muss ich mich deshalb jetzt kaputt machen? Meinen Körper zerstören? Meine ich, wenn ich weniger bin, falle ich weniger auf und ich muss mich endlich nicht mehr dem Druck beugen, auffallen zu wollen und wahrgenommen zu werden?

Was wäre, wenn jeder einfach mal so sein könnte, wie er ist?!