Komm raus – Pro you (rself).

Eine Ansage gegen die gängigen Ansichten zu Essstörungen. Mehr noch, eine Ansage an Betroffene, ihre Freunde und Verwandte und alle gesunden Mitmenschen.  

Essstörungen sind ein hartes und immer aktuelles Thema, das noch immer zu oft ignoriert oder sogar verleugnet wird. Oder traurigerweise absolut nicht ernst genommen, sondern als “Mode- oder Luxuskrankheit” abgetan wird.

 

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Ich leide seit 4 Jahren an dieser Krankheit und ich bin darin gefangen. Gefangen im Käfig meiner Gedanken, aus dem ich einfach keinen Ausweg finde. Wie sich so etwas anfühlt, ist für Außenstehende absolut nicht nachvollziehbar. Fast genauso schmerzhaft, wie die Verletzungen, die ich mir ständig selbst zufügte, ist es momentan für mich, meinen nahestehendsten liebsten Menschen nicht annähernd erklären zu können, was in meinem erkrankten Hirn vor sich geht und wie ich mich fühle in diesem ekelhaft harten Kampf um das Entfliehen der Sucht. Wenn der Verstand so wirr ist, dass man nicht weiß, was gerade wirkliches Leben ist und was nur Schein. Der Kontrollverlust unerträglich ist und man einfach nur noch eine wandelnde Hülle ist. Seelenlos. Leer.

selbstwert

Innerhalb der letzten Jahre wurde ich durch die Essstörung zu einem anderen Menschen, ohne es zu wollen. Ich habe mich verloren. Um im Alltag nicht unterzugehen und um niemanden spüren zu lassen, dass ich krank bin, war es neben der Flucht in die Sucht auch eine Flucht in eine Rolle. Ich spielte meinem Umfeld 24 Stunden am Tag etwas vor. Nicht nur souverän…. nein, ich möchte behaupten, ich war grandios in dieser neuen Rolle. Fast niemand merkte etwas und erst als ich nach einem Suizidversuch in einer Klinik landete, bekamen andere langsam mit, dass etwas nicht stimmte. Erst als ich nach meiner härtesten Zeit als ich wirklich am Boden der Krankheit ankam, anfing darüber zu sprechen, dass ich krank bin, fingen andere an, sich etwas mit dem Thema zu beschäftigen und zu realisieren, dass ich vielleicht nicht die sorgenfreie Astrid bin, die ich immer repräsentierte.

Zu Beginn meiner Krankheit wollte ich nur noch verschwinden, unsichtbar sein. Nicht mehr da sein – ich fühlte mich sowieso wertlos und war es auch in meinen Augen nicht mehr wert, gesehen zu werden. Verzicht war meine Lösung. Weniger Essen – mehr Kontrolle. Je weniger ich aß, je weniger ich wog, desto größer war die Kontrolle über mich, mein Gewicht und meinen Körper. Es endete schließlich in einer Klinik. Diagnose: ANOREXIE.

Aber Essstörungen sind verschieden und doch gleich. Kaum realisiert, dass Magersucht keine Lösung ist und letzten Endes eine Art Todesspirale, die dich immer weiter nach unten zieht, kam ich vom Regen in die Traufe. Ich konnte anscheinend noch nicht ohne meinen ständigen Begleiter – die Krankheit -, die nonstop ihre schützende Arme um mich schlang, leben. Also verließ ich sie nicht und sie mich nicht. Die Essstörung blieb – nur anders gekleidet. Es war nun kein Verzicht mehr, sondern ich gönnte mir etwas. Immer häufiger. Immer mehr. Ich fühlte mich sicher, wenn ich mir etwas erlaubte nach dieser Zeit, in der ich mir immer nur alles verboten hatte. Ich fühlte mich gut, je mehr ich kompensierte. Immer mehr essen. Das große Fressen. Ich nahm zu, ein gedanklicher Horror für mich. Oder besser – gedanklicher Terror. Doch mein Umfeld blieb auch hier unbesorgt und ich wieder in meiner Glanzleistung – der Schauspielerei.

Mein Umfeld verteilte immer mehr Komplimente, dass ich besser und gesünder aussehe. “Endlich hast du wieder mehr auf den Rippen – toll siehst du aus!”. Schön und gesund mag man mit gesundem Menschenverstand denken. ‘Fuck off’ dachte die essgestörte Astrid. Doch es war zu spät. Ich war aus der Mager- in die Fresssucht geraten und konnte es nicht mehr stoppen. Ich habe nur noch für diese Krankheit, für diese Sucht und ihre Befriedigung gelebt. Mein komplettes “normales” Alltags- alias Berufsleben nur vorgespielt und dann die Realität ausgeblendet, sobald ich alleine war. Ich lebte seelenlos weiter in meiner Hülle und kam nicht hinaus. Nach Außen hin hatte ich ein perfektes Alibi für mich geschaffen – eine lächelnde, glückliche, sozial aufgeschlossene Astrid. Nach Innen war alles leer, nichts war mehr da von mir. Immer mehr wirre und ekelhafte Gedanken, immer deutlicher die Hilflosigkeit und der Hass gegen mich selbst. Und schließlich immer deutlicher das Gefühl, damit nicht mehr leben zu können und zu wollen. Es wurde unglaublich anstrengend für meine Nerven und den eigenen Körper. Ich konnte nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen.

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Da ich schon mal auf der Kippe stand, entschloss ich mich – nicht wie andere Male – dieses mal FÜR das Leben. Für mein Leben.

Ich möchte allen zeigen – egal, ob Betroffenen, Angehörigen oder komplett gesunden Menschen – , wie gefährlich Essstörungen sind. Und dass sie nicht immer sichtbar sind. Essstörungen kommen in allen Körpergrößen und -formen. Und sie sind in den Köpfen der Betroffenen, sie schreien sie an. Doch kaum jemand anderes kann diese Schreie hören. Ich möchte Aufmerksamkeit auf diese psychische Erkrankung lenken. Ich wünsche mir, dass sensibler mit diesem Thema umgegangen wird. Ich wünsche mir, dass andere nicht diesen Hirnfick erleben, den ich erlebe/erlebte. Ich habe erkannt, dass ich es wert bin, zu leben und sogar geliebt werden darf. Ich darf selbst auch lieben und ich möchte lieben und leben. Genießen. Für mich.

Ich möchte anderen Mut machen, sich auch dem Kampf zu stellen, sich selbst wieder näher zu kommen und darauf vertrauen zu dürfen, dass jeder Mensch es verdient hat, geliebt zu werden und mehr noch: sich selbst zu akzeptieren. Mit allen Makeln. In jeder Form und Größe. Sich eben nicht immer dem Druck von außen stellen zu müssen, möglichst perfekt sein & aussehen zu müssen.

Komm mit und brich aus aus deinen Gedanken, die dich zerstören. Stell dich dir selbst! Pro you!

 

neu

 

Diese Fotos habe ich als persönliche Herausforderung gesehen und sie deshalb machen lassen. Ich kann mich nur schwer im Spiegel ansehen; sehe meist nur an mir vorbei. Ich möchte mich bewußt ansehen, ohne mich zu schämen. Weder vor mir selbst noch vor irgend jemand anderem. Mein Körper gehört zu mir – er hält mich am Leben und trägt mich durch mein weiteres Leben. Und dafür bin ich heute unheimlich dankbar.

 

Die englische Version gibt es hier auf medium zu lesen!

 

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realisieren

Auf einmal wird immer alles klarer. So lange habe ich mich in und hinter meiner Krankheit versteckt und noch immer tue ich es zum Teil. Nicht, weil ich will, sondern weil ich muss. Weil die Scham so unendlich groß ist, was da mit mir passiert ist. Weil die Scham noch größer ist, für das, was ich innerhalb dieser Sucht getan habe. Bisher kannte ich nur eine andere Art Scham. Die, der Auswirkungen von Mißbrauch. Dieses Gefühl ist so hartnäckig  und es will mich nicht loslassen. Doch jetzt kenne ich noch eine andere Art der Scham. Die, vor und für mich selbst.

Nicht nur körperlich habe ich mich mit der Magersucht, mit Ana, und anschließend mit ihrer größten Feindin alias Fresssucht,  kaputt gemacht. Nein, meine ganze Existenz zerstörte ich. Angefangen hat das vielleicht nicht mit mir und meiner Schuld, doch diese Sucht hat mich in den Ruin gestürzt. Ich bin verzweifelt, weil ich gerade realisiere, was ich alles getan habe. Hirnlos. Bewusstlos. Gelähmt. Gefangen im Netz des Essens. Im Netz und dessen verworrenen Fäden des Italieners und meiner Sucht und gleichzeitigen Abneigung und Ekel. Gefangen in Gedanken, die ich überhören wollte, aber nicht konnte. Mein Kopf hat sich verselbständigt. Ohne Hirn. Nur mit der Sucht ist er unterwegs. Er überhört mich. Er ignoriert, wonach meine Seele eigentlich schreit. Wonach sie sucht und suchtet. Nur die Gedanken zählen, wie ich mich am schnellsten und besten vollstopfen kann und das am besten gleich mehrmals am Tag. Aber anstatt es einfach alles wieder auszukotzen, meinen Körper und Geist zu reinigen (zumindest gefühlt), ließ ich alles drin in mir. Dieses Essen, diese unerträglichen Gedanken, was ich da gerade wieder getan habe, wieso ich nicht einfach aufhören kann. So unerträglich, dass ich mir Schmerz zugefügt habe, um mich von diesen Gedanken zumindest mal ein paar Sekunden abzulenken. Kurz half es.

Und jetzt? Jetzt kämpfe ich mit allen Mitteln gegen diese Sucht an. Ich habe es bis heute geschafft, nicht mehr meiner Fresssucht nachzukommen. Ich bin nicht mehr zu dem berüchtigte Italiener gegangen, obwohl alles in mir danach schreit. Immer und immer wieder. Doch noch bin ich standhaft. Aber mit dieser Standhaftigkeit, die sich eigentlich in Stolz äußern müßte, wächst die Scham und die Angst. Denn hier fängt erst alles an. Ich realisiere. Ich kann die Augen nicht mehr verschließen, weil mein Wille, gesund zu werden und wieder anzufangen, richtig zu leben, größer geworden sind, als die widerlichen Gedanken, die mich trieben. Ich WILL leben. Richtig leben. Wie ihr alle da draußen. Doch jetzt fängt es an, mich auf eine andere Art und Weise kaputt zu machen. Ich realisiere, dass ich in der ganzen Zeit immer mehr der Realität entschwand. Auch, wenn ich meisterhaft darin bin, das Gegenteil zu demonstrieren.

Es war bis vor kurzem ein Leben, das eigentlich keines ist. Keine Realität. Jeder Mensch kommt heim, öffnet seinen Briefkasten in der Hoffnung, dass vielleicht mal eine Postkarte anstatt lästiger Rechnungen oder nerviger Werbesendungen drin ist. Ich nicht. Ich sah diesen Briefkasten im Hausflur jeden einzelnen verdammten Tag. Doch nicht einen einzigen Tag habe ich den kleinen Schlüssel benutzt, um ihn aufzumachen. Die Gedanken kreisten nur darum, wie ich mich möglichst schnell meinem eigenen Ritual hingeben kann. Während ich die Treppen hinauf lief, meine Ausbeute vom Italiener in den Händen (eine Hand reichte nicht mehr zum Tragen), malte ich mir immer wieder aufs Neue aus, wie ich mir gleich alles fein säuberlich und genau nach Plan herrichte, um es dann möglichst schnell in mich aufzusaugen. Da war kein Platz für das klingelnde Telefon in der Tasche, kein Platz für die Rechnungen im Briefkasten. Kein Platz für Verabredungen. Diese ließ ich platzen.

Fuck, ich habe ehrlich Scheiße gebaut und jetzt bekomme ich die Quittungen dafür. In Form von Rechnungen und Realität. Während ich mich und meinen Körper mit Suchtstillen gefüttert habe, habe ich den Italiener und meine Scheinwelt mit Geld gefüttert. Eine Sucht ist verdammt teuer.

Ich merke, was ich getan habe und ich hasse mich dafür. Ich habe alles ignoriert in meinem gesponnenen Gedankennetz. So fein die Fäden dieses Netzes man sich vorstellt, so fester hielten sie mich in ihrer Gewalt und ich reiße und reiße jetzt nur noch, um endlich hinaus zu gelangen. Doch ich realisiere, wie verstrickt es ist. Wie verstrickt ich mich habe.

Ich komme nicht raus.

 

Selflove

Ich habe vor einiger Zeit schon mal über Selbstliebe geschrieben. Ein Thema, mit dem man bzw. hier explizit ich, oft konfrontiert werde.

Kann mir bitte mal jemand erklären, wie das funktioniert? Selbstliebe. Selflove. Hier ein Zitat, da 100 Quotes, schlaue Posts auf Facebook, Instagrambilder mit happy aussehenden, peace-zeigenden, stylisch gekleideten jungen Frauen im Spiegel – Bildunterschrift: #selflove #happy.

Schön. So einfach ist das also? Wieso gibt es dann Tausende von Coachings, die sich um das Thema drehen, wieso sprechen das 90% aller Therapeuten an, wenn es doch so #easy ist, sich selbst zu lieben. Damit sollte sich doch dann wohl kein Geld mehr verdienen lassen oder Therapiestunden wären überflüssig.

Wieso fällt es mir so schwer, mich selbst richtig zu lieben? Wieso lasse ich mein Sein und meinen Alltag immer durch meine Vergangenheit bestimmen und wieso kann ich nicht einen Cut machen und neu anfangen – #newbeginnings…? Das Vergangene kann man nicht ändern (habe ich durch Quotes gelernt) und deshalb ist es doch nur verschwendete Zeit. Verschwendetes Leben. Dinge und Menschen, die mich dazu gemacht haben, wie ich heute bin. Die es geschafft haben, dass ich nicht mehr verloved in mich selbst bin. #unhappy  #destroyed #lost.

Es wird Zeit, Dinge anders anzugehen. Vielleicht mal so ein Coaching zu besuchen, nur um mir zu beweisen, dass auch ein Coach mir nicht das geben kann, was ich brauche und suche. Es sind lediglich Worte, die derjenige den Gästen entgegen schmeißt. Vielleicht etwas heroisch und impulsiv, vielleicht etwas eindringlicher gesprochen – aber eben nur Worte.

Ich war bis vor ein paar Jahren in der glücklichen Lage, mich selbst zu lieben und weiß, dass das keiner Worte bedarf. Du fühlst es. Ich fühlte und ich wußte es. Und das beste am Ganzen: es war selbstverständlich. Und mit dieser Selbstverständlichkeit durchlebte ich leichtfüßig meine Tage. So muss das sein.

Wie also schaffe ich es, meinen InstaAccount mit viel selflove und #happys zu füllen, wenn mich doch immer die Geschehnisse der Vergangenheit einholen und es mir einfach verbieten, positive hashtags zu setzen?? #ratlos

 

 

90 Tage

Manchmal ist es egal, wie schlecht es einem geht – manche Dinge lassen einen doch innerlich strahlen. 

Heute ist einer dieser Tage. Und auch diese gemeine Erkältung kann mir dieses unbeschreibliche Gefühl nicht nehmen. Ich bin mal wieder auf meinem Rummel. Dem mit den vielen Karussells, die sich in Form meiner Gedanken auf und ab drehen, die sich so schnell drehen, dass mir schwindelig ist und ich am liebsten nur noch kotzen möchte. 

Doch heute ist es anders. Trotz gefühltem körperlichen Koma und trotz eines Energiehaushaltes gleich Null möchte ich mich drehen und drehen und drehen. Ich genieße heute den Schwindel und mir ist nach allem anderen als kotzen.

90 Tage = 3 Monate ist es jetzt her, dass ich anstatt ins Karussell in die Fressbude a.k.a. Italiener gegangen bin. Vor 90 Tagen habe ich mich das letzte mal mit allen Sinnen und völlig willenlos dieser widerlichen Völlerei hingegeben und habe mich danach zum Dank und zur Strafe noch selbst verletzt. Mich in meinem gewohnten Muster zu Hause und doch so ekelhaft gefühlt.

90 Tage Widerstand. 90 Tage stark geblieben aus eigener Kraft. Ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich es mir selbst nicht glauben.

Mein permanentes Gedankenkarrussell, diese ständigen Hirnficks, dieses Auf und Ab, Zitteranfälle, dieses Chaos und dieser immense Energie- und Kraftaufwand. Alles NICHT umsonst. Ich kann es nicht fassen, dass ich das durchgestanden habe und es irgendwie gepackt habe, mich der Völlerei zu widersetzen. Mich dieser SUCHT zu widersetzen. 

Egal, wie beschissen ich mich fühle, egal wie stark meine Selbstzweifel leider wieder gewachsen sind – ich werde es aushalten und mich selbst und diese Sucht besiegen. So fühlt es sich heute jedenfalls an. 

Ich werde heute sicherlich kein Karussell mehr fahren und ich werde auch keine Fressbude aufsuchen. Ich denke, ich muss auch nicht unbedingt den Losverkäufern Hallo sagen. Denn, irgendwie scheint es zu funktionieren, dass man auch mit einem Aussichtslos den Hauptgewinn ziehen kann.

Ich habe gewonnen. 90 Tage, die ich mir selbst geschenkt habe und die mir keiner nehmen kann.

Durcheinander. 

Mein Leben erscheint mir wie ein permanentes Chaos. Ein ständiges Auf und Ab und es hört einfach nicht auf. Kaum fange ich an, mir selbst zu trauen, mich fallen zu lassen, anderen zu vertrauen, lauert irgendwo die Enttäuschung. 

Seit Jahren ist mein Leben ein permanenter Kampf. Mal aus gesundheitlicher Sicht, mal aus seelischer. Oft auch gern aus beiden zusammen. Damit es sich lohnt vielleicht. Ein Kampf muss sich schließlich lohnen. Aber irgendwann geht doch immer ein Sieger und ein Verlierer aus der Arena. Die Arena meines Lebens jedoch scheint mich nicht zu entlassen. Es gibt kein Siegertreppchen. Ich komme nicht hinaus. Immer, wenn ich gerade das Gefühl habe, einen meiner Kämpfe gewonnen zu haben, wird gleich die nächste Runde eingeläutet. Ich komme nicht hinaus. Ruhelos. 

Mal gibt es Zuschauer, die mich sogar anfeuern, mich motivieren, nicht aufzugeben. Sie sind da, sind an meiner Seite. Das ist ein gutes und schönes Gefühl und gibt mir Hoffnung, dass es sich tatsächlich lohnt. Dass da doch ein Leben auf mich wartet. Dass ich am Ende doch einfach mal sein darf, wie ich eben bin. Mich in meiner Welt drehen und bewegen darf, wie es mir passt, ohne zu sein, wie mich die anderen haben wollen. Mich in meinem Körper frei zu fühlen und niemandem dafür Rechenschaft ablegen muss. Aber das zu glauben, fällt mir schwer. Vor allem in den Momenten, in denen ich allein in der Arena stehe – ohne Zuschauer. Da bin nur ich und kämpfe allein gegen meinen Gegner – MICH. Die Angst ist mein Gegner. Meine Selbstzweifel sind nicht nur mein permanenter Begleiter, sie sind auch mein ständiger Gegner. Die Arena ist leer und doch voll. Voll mit Gefühlen, Emotionen, Gedanken, Enttäuschungen, unverarbeiteten vergangenen Erlebnissen, die mich einfach nicht in Ruhe lassen. Ständig fordern mich alle zu neuen Kämpfen heraus und ich kann nicht mehr. Und doch geht es immer eine Runde weiter. 

Bitte erklär mir doch einer, wie das funktioniert. Wie funktioniert das Leben? Wie funktioniert mein Leben? Wie geht das? Wo ist mein Berater, der mir erklärt, wie ich endlich raus komme aus dem ganzen Chaos? Wo ist mein Lachen geblieben in den letzten Jahren? Mein Lachen aus dem Herzen meine ich, nicht das Funktionslachen. Wie geht Vertrauen, wenn man immer wieder enttäuscht wird? Warum bin ich mir fremd, wo ich doch gerade anfange, mir nahe zu kommen? Ich verstehe mein Leben nicht. Ich verstehe den Kampf nicht. Wieso ist es so schwer, mich einfach mal fallen zu lassen? Warum gebe ich mir nicht die Chance, an mich zu glauben? Ich brauche niemanden, das weiß ich. Ich habe in den letzten 80 Tagen das für mich unmögliche geschafft und eine riesige Sucht bekämpft – ALLEIN. Also habe ich doch nichts zu verlieren. Es kann mir egal sein, was für Erwartungen andere an mich haben. Doch ich habe das Gefühl, dass die permanente Fremdbestimmung in mir verankert ist. Egal, was ich für Kämpfe führe; ob mit oder ohne Zuschauer, ob Essstörung oder Suizidversuch, ob Anerkennung im Job oder die Akzeptanz meines Körpers. . . Das Chaos hört nicht auf und ich habe immer das Gefühl, nicht nur für mich zu kämpfen, obwohl es mein innigster Wunsch ist. 

Durcheinander. Chaos. Kopfweh. Glücklich, traurig, zerrüttet, motiviert, energisch, kraftlos, mutlos, hoffnungsvoll, liebend, enttäuscht, fröhlich, unbeschwert, beschwingt, missachtet, belogen, vertraut, neugierig, optimistisch, verzückt von so vielem, hoffend auf so vieles. Wo ist MEIN Leben? Wann komme ich an? Wann wird es leichter?

Durcheinander.


Härteprobe

Irgendwie hält das Leben nie an. Ich habe das Gefühl, dass es mich täglich aufs Neue auf die Probe stellt und es gibt wirklich selten Tage, an denen ich relativ kopffrei bin. Jeder Tag, vor allem seit 55 Tagen ist eine pure Anstrengung für mich und ich habe gerade das Gefühl, am Rande der Erschöpfung zu stehen.

Auf der Haben-Seite meines Anti-Essstörungskontos stehen stolze 55 Tage, an denen ich mich dem Italiener und meiner Muster widersetzen konnte. 55 Tage, die mich mit Stolz und irgendwie Hoffnung erfüllen. Auf der Soll-Seite dieses Kontos steht die große Frage: Wann wird es einfacher? Hier steht klar und deutlich: es SOLL aufhören. Dieser tägliche und nächtliche Hirnfick.

Seit 55 Nächten habe ich nicht eine Nacht auch nur annähernd durchgeschlafen. Permanentes Gedankenkarussell, wo ich mich nach jeder Fahrt einfach nur übergeben möchte. Und seit 55 Tagen die permanente Angst, es einfach nicht weiter schaffen zu können.

Und als würde das allein nicht schon reichen, bekommst du aus heiterem Himmel eine Nachricht, die dir den Boden unter den Füssen weg reißt. Härteprobe deluxe würde ich es nennen. Wenn du mit einer Essstörung lebst und dich hier immer gut und gerne in alte bekannte Muster flüchten kannst, dann hast du eine Sicherheit. Ich habe seit 55 Tagen keine Sicherheit mehr. Also, fast keine. Menschliches Vertrauen spielt eine große Rolle, die mir noch etwas Sicherheit gegeben hat. Doch, wenn das auch dann durch eine kleine Nachricht wie weggeblasen scheint, dann gibt es keine Sicherheiten mehr. Womit also soll ich mein Anti-Essstörungskonto noch rechtfertigen? Jede Bank verlangt Sicherheiten. Alles weg – pure Unsicherheit, Zweifel, gedankliche Zermürbung. Also ist es doch der leichteste Weg, dafür zu sorgen, dass möglichst schnell alles wieder in sichere Bahnen kommt und den Italiener aufzusuchen. Mich in meine alten Muster zu flüchten und mir anschließend noch Schmerz zuzufügen. Dafür bin ich in dem Moment zumindest save…

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich diesen Gedanken in der letzten Woche hatte – Millionen mal. Oft war es wirklich wirklich knapp. Doch irgendwie kommt mir momentan (noch) immer in letzter Sekunde ein Gefühl und der klare Gedanke, dass es einfach nur eine weitere Härteprobe ist und ich sie bestehen muss. Mein Leben stellt mir diese Aufgabe, um gesund zu werden und ich will mir das verdammt noch mal, nicht durch irgendwelche Nachrichten oder Hirnficks kaputt machen lassen. 55 Tage sind für jemanden, der in einem Suchtkäfig sitzt, höllisch lang und ich werde mir nicht falsche Sicherheiten auferlegen.

Ich will die richtige, eine ehrliche und gesunde Sicherheit. Ich will MEINE Sicherheit zurück und meine Selbstzweifel endlich verjagen aus meinem Leben. Ich will mit Mut meine alltäglichen Härteproben bestehen, bis mir diese nicht mehr wie Härteproben vorkommen, sondern wie spannende Herausforderungen. Ich war schon immer gegen Langeweile. So möchte ich es sehen und mein Leben endlich mal leben und geniessen können.

Also, wann endlich überwiegt die Haben-Seite???

 

 

Herzrasen und Grenzen

Sonntag. Kein gewöhnliches Aufwachen heute – Aufwachen mit absoluter innerer Unruhe. Gedanken sind da und auch irgendwie nicht. Zumindest nicht greifbar. Ich habe totales Herzrasen & kalt-warme Hände und weiß nicht, ob es besser ist, aufzustehen, ein Glas Wasser zu holen oder liegen zu bleiben und zu hoffen, dass dieser Zustand gleich vorbei ist. Es dauert gefühlt gar nicht so lange und es ist Gott sei Dank vorbei. In Wirklichkeit lag ich so über eine Stunde schwitzend, frierend, zitternd und ruhelos dort. Für mich das Zeichen, dass hier gerade alles andere als normal ist.

Und das ist so seit genau 41 Tagen. Seit 41 Tagen hat sich in und mit mir etwas verändert. Ich habe mich 41 Tage nicht meiner üblichen, normalen Essstörung hingegeben. 41 Tage habe ich es geschafft, der widerlichen Völlerei, die mich zerstört hat, die mein Hirn auf übelste Weise gefickt hat, zu widerstehen. 41 Tage – das ist nicht normal. Ich kann das nicht fassen. Ich begreife das gerade nicht. Diese Sucht nach der italienischen Völlerei, nach den Qualen und Schmerzen danach, die ich mir auferlegt & zugefügt hatte – immer und immer wieder. Es ist eine wirkliche Sucht. Ja, auch nach Essen bzw. Fressen kann man süchtig sein. Genauso wie ich nach Hungern süchtig war. . . Seit 41 Tagen dreht sich alles in meinem Kopf; meine Gedanken fahren im Kreis. Sie nehmen keine falsche Ausfahrt, leider;  sie fahren einfach immer wieder im Kreis, was mehr als schwer ist auszuhalten. Ich wache auf und kann nur an diese eine Sache denken. Ich stehe im Netto an der Kasse und zahle mein Klopapier und kann mich nicht konzentrieren, dem Kassierer die 2,98 Euro zu geben, sondern ich verwende alle Energie darauf, mir in Dauerschleife zu sagen „Reiß dich zusammen. Geh nicht in die italienische Hölle. Verzichte auf den Scheiß und komm klar.“ Irgendwie schaffe ich es, die Ware zu bezahlen und save in meine Wohnung zu gelangen. Ich glaube, kaum einer hat eine annähernde Ahnung davon, wie es ist, permanent gegen eine Sucht anzukämpfen. Jede Sekunde eines jeden Tages kann einen so ekelhaft zermürben.

Doch Fakt sind diese 41 Tage. Und ich bin dafür so unendlich dankbar. Denn nur aufgrund dieses Faktes, fühle ich mich trotz aller Kreisfahrten meines Hirns, trotz aller schwindender Energie gleichzeitig irgendwie gut. In mir hat sich etwas verändert. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas schaffen kann. Dieses Gefühl hatte ich in den letzten Jahren komplett verloren. Mit all dem Scheiß, der mir passiert ist, den ich zum Teil erduldet habe, zum Teil einfach aus purer Angst und Scham über mich ergehen lassen habe, hatte ich mich nur noch wie ein totaler Versager gefühlt. Und wertlos. Mein Körper war wertlos, wurde quasi durch fremden Einfluss entwertet und mit meiner Scham und Angst wurde auch mein Inneres wertlos. Komplett. Und diese wiederkehrenden Ereignisse haben mich zerstört.

Ich hatte für mich entschieden, es ist besser, nicht mehr zu sein. Und genau zu diesem Ort, wo man mich entwertete, wo ich letztlich final auch diese Entscheidung getroffen hatte und mir dann aber mein Schicksal doch noch etwas mitteilen wollte – an diesen Ort bin ich heute nach dem beängstigenden Aufwachen gefahren. Ich mußte etwas tun. Grenzen überwinden. Und heute mit diesem Aufwachen und mit dem Wissen um die 41 Tage, war der richtige Tag dafür. Ein starker Tag.

Ich bin hingefahren zu dem Ort, zu dem Haus, das ich für immer meiden wollte. Ich habe 41 Tage in der Tasche und der Seele – ich schaffe das. Und so war es. Ich bin bewußt hingefahren, habe bewußt hingesehen und bin weitergefahren. Aussteigen ging nicht. Ich kann nicht aus meinem Leben aussteigen. Auch wenn ich es liebend gern tun würde – vor allem aus dieser Krankheit und aus den Erinnerungen. Aber irgendwie ist Aussteigen nicht so leicht, wie es manchmal scheint oder uns irgendwelche Erfolgscoaches und Motivationsbücher glauben machen wollen.

Doch was geht, ist, sich Herausforderungen zu stellen. Jahr für Jahr. Monat für Monat. Tag für Tag. Immer und immer wieder. Und auch, wenn es so viele Tage nicht möglich ist, sich diesen Herausforderungen erfolgreich zu stellen, so findet sich doch dazwischen ein einziger Tag, an dem es einem vielleicht ansatzweise gelingt. An dem man mit Herzrasen und Angst erwacht und den man mit dem Gefühl beendet, seine Grenzen anzuerkennen und sie sogar zum Teil zu überwinden.

Schritte1

Nur ein paar Klicks

Selfies machen & posten – ok. Tut jeder; ist mittlerweile „normal“. Sich überlegen, auf welchem man recht gut ausschaut – schön und gut. Aber wie kann es angehen, dass es eigene Apps dafür gibt, sich schlanker zu klicken? Get your perfect body – only a few klicks. What the fuck???

Es gab eine Zeit, in der auch ich mich danach sehnte, endlich und zum allerersten mal in meinem Leben, die Größe zu haben, die jedes Magazin, jedes Werbeplakat hat und zeigt. Größe 36 – meine Idealgröße. Meine Traumgröße. Die Kleidergröße, die über TV-Bildschirme schwebt, die in Katalogen und auf Modeblogs jede Frau verkörpert. Die Größe, für die gefühlt Millionen Frauen sterben würden. Die Größe, die Männerherzen höher schlagen läßt – die Größe, mit der jeder Mann ins Bett will. Perfekt eben.

Nur knappe 3 Minuten, ein paar Klicks und er ist da: der perfekte Körper. MEIN perfect body. Wie oft habe ich mir gewünscht, dass es so einfach wäre, meinen Körper perfekt zu haben. Perfekt zu machen. Jetzt habe ich die Chance. Ein bisschen die Taille schmälern, die Beine 4 cm länger machen. An den Hüften nehme ich natürlich auch etwas (viel) weg. Meine Brüste ziehe ich ein bisschen höher und forme sie runder. Ah – das Gesicht muss natürlich zum Körper passen – ich strecke meinen Hals und nehme etwas unter meinen Wangenknochen weg. Das Kinn könnte auch noch ein bisschen straffer… schon viel besser. Really?

Was ist das für ein Scheiss, der uns hier glauben machen soll, dass es toll ist, etwas zu verkörpern, das wir nicht sind? Den perfect body. NIEMAND hat einen perfekten Körper und JEDER weiß das. Punkt. Was zur Hölle soll das also?

Ich habe mir so oft gewünscht, Teile meines Körpers auszutauschen, zu verändern. Jetzt habe ich die Möglichkeit und allein der Gedanke macht mich kränker als ich es in meiner schlimmsten Zeit der Magersucht je war. Für die meisten wird es eine harmlose App sein, aber ich sehe das als eine Frechheit. Es ist eine einzige Lüge, wie schon so viel, das uns vorgelebt wird. Wie wir zu sein haben, um akzeptiert zu werden.

Wie kann ein Körper perfekt sein, wenn er gar nicht echt ist? Wenn er gar nicht so ist, wie ich ihn mir und für meine Umwelt erschaffe, erzaubere, mit den paar Klicks? Genau die Dinge, die mich meisten an meinem Körper anekeln und die ich am liebsten tauschen/ersetzen will – diese imperfekten Teile, die sind es, die mich letzten Endes in meiner Person als mein Ich doch zu dem machen, was ich bin. Ich weiß, dass mein Kopf zum Teil noch anders denkt und tickt, aber das bringt so eine Essstörung leider mit sich. Doch mein Herz und meine Seele wissen schon jetzt, dass ich mit all diesen Dingen und Teilen meines Körpers ganz bin und dass ich eben mit ihnen, so wie sie sind, Ich bin. Ein paar Klicks? Nein. Keine Klicks – lieber Ich.

19 Tage

19 Tage. 19 komplette, ganze Tage – 19 x 24 Std. Besagte 19 Tage ist es nun her, dass ich zum letzten mal meiner Sucht nach der italienischen Völlerei nicht widerstehen konnte. Die vergangenen fast drei Wochen waren so nervenaufreibend, dass ich es nicht annähernd in Worte fassen kann – deshalb versuche ich es erst gar nicht. Doch eines muss ich einfach hier noch mal für mich selbst schwarz auf weiß festhalten: Ich habe es geschafft. Ich habe etliche Kämpfe in diesen vergangenen 456 Stunden durchfochten. Mein Hirn hat mich in den letzen 27.360 Minuten etliche mal gefickt und es mir unendlich schwer gemacht, überhaupt zwischenzeitlich zu funktionieren. Bestehen und leben ist keine olympische Disziplin, doch wenn sie es wäre, dann hätte ich endlich mal einen Sieg – die Goldmedaille. Eine goldene Medaille geprägt mit Stolz für mich allein. Es ist in jedermanns Augen sicher mehr als lächerlich, doch sich einer Sucht nicht hinzugeben ist hart. Ich bin nicht „klassisch“ süchtig nach Drogen oder Alkohol – ich bin süchtig nach diesem speziellen Essen dieses speziellen Italieners, über den ich schon haufenweise geschrieben habe. Süchtig nach der totalen Völlerei und anscheinend dem, was es mir gibt – was auch immer es ist.

19 Tage. Scheisse, ich habe keine Ahnung, wie mein Körper und ich in diesen Tagen existieren konnten, wie ich es geschafft habe. Überlebt habe. Aber ich ahne, dass es mir gut tut. Ich weiß gar nichts. Aber ich habe eine Ahnung davon, wie glücklich ich gerade bin und wie ich mich fühle. Ich habe eine Ahnung, dass mir dieser persönliche Erfolg gut tut und mir Kraft, Energie und Motivation für alles gibt, das kommt. Ich habe eine Ahnung, oder besser gesagt, eine/die Hoffnung, dass es mir irgendwann gelingen wird, meine Essstörung irgendwie überwinden werde. Dass ich die vergangenen Geschehnisse, die mich in diese Sucht, in diese Essstörung getrieben haben, nicht vergessen kann, ist mir mehr als bewußt. Aber ich hoffe und ahne, dass ich zumindest damit irgendwie leben kann und dass es mir gelingen wird, zumindest die Konsequenz aus den Geschehnissen alias Essstörung oder Sucht – wie auch immer ich es betiteln will – bezwingen werde. Für 1.641.600 Sekunden ist es mir gelungen. Ich mache weiter. Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen. Vielleicht kann ich ja morgen schon sagen: 20 Tage.

Wellenreiten

Ich hätte nie für möglich gehalten, wie nah oben und unten zusammenliegen. Sind es doch Gegensätze, liegen doch eigentlich unendlich viele Meter oder Kilometer dazwischen… Bei mir nicht. Und es geht auf und ab tageweise. Ich frage mich, wann das endlich aufhört. Ich will nicht mehr dieses ständige Auf und Ab. Ein bisschen ist normal. Ein bisschen Auf und Ab schadet, glaube ich, keinem Leben. Es würzt das Leben, verleiht dem Leben Spannung und Schärfe. Aber bei mir ist es überwürzt. Zu viel von Ab und viel zu wenig von Auf.

Kaum mache ich Fortschritte, kaum läuft es wirklich gut, kaum geht es mir einfach gut – da kommt die Welle. Ich kann mich nicht halten; sie rauscht mit einer Geschwindigkeit auf mich zu und über mich hinweg und ich gehe unter. Sie zieht mich förmlich herunter und ich finde keine Abwehr. Ich kann mich von meinem eigenen Glück nicht treiben geschweige denn tragen lassen. Ich lasse mich davon herunterziehen, weil es mir komisch und fremd vorkommt. Das Unbekannte ist schwierig zu händeln. Ich tauche ab in den gewohnten Sog der Sucht. Sie treibt mich ins Meer, lässt mich auf offener See ertrinken.

Wieso kann ich meine Glücksmomente, meine Erfolge, meine Fortschritte nicht fassen, sie (be)greifen, sie genießen, sie leben? Ich will nicht ertrinken, abtauchen. Ich will Wellenreiten. Auf und ab und dann wieder auf … einfach Wellenreiten.