krank

Komm raus – Pro you (rself).

Eine Ansage gegen die gängigen Ansichten zu Essstörungen. Mehr noch, eine Ansage an Betroffene, ihre Freunde und Verwandte und alle gesunden Mitmenschen.  

Essstörungen sind ein hartes und immer aktuelles Thema, das noch immer zu oft ignoriert oder sogar verleugnet wird. Oder traurigerweise absolut nicht ernst genommen, sondern als “Mode- oder Luxuskrankheit” abgetan wird.

 

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Ich leide seit 4 Jahren an dieser Krankheit und ich bin darin gefangen. Gefangen im Käfig meiner Gedanken, aus dem ich einfach keinen Ausweg finde. Wie sich so etwas anfühlt, ist für Außenstehende absolut nicht nachvollziehbar. Fast genauso schmerzhaft, wie die Verletzungen, die ich mir ständig selbst zufügte, ist es momentan für mich, meinen nahestehendsten liebsten Menschen nicht annähernd erklären zu können, was in meinem erkrankten Hirn vor sich geht und wie ich mich fühle in diesem ekelhaft harten Kampf um das Entfliehen der Sucht. Wenn der Verstand so wirr ist, dass man nicht weiß, was gerade wirkliches Leben ist und was nur Schein. Der Kontrollverlust unerträglich ist und man einfach nur noch eine wandelnde Hülle ist. Seelenlos. Leer.

selbstwert

Innerhalb der letzten Jahre wurde ich durch die Essstörung zu einem anderen Menschen, ohne es zu wollen. Ich habe mich verloren. Um im Alltag nicht unterzugehen und um niemanden spüren zu lassen, dass ich krank bin, war es neben der Flucht in die Sucht auch eine Flucht in eine Rolle. Ich spielte meinem Umfeld 24 Stunden am Tag etwas vor. Nicht nur souverän…. nein, ich möchte behaupten, ich war grandios in dieser neuen Rolle. Fast niemand merkte etwas und erst als ich nach einem Suizidversuch in einer Klinik landete, bekamen andere langsam mit, dass etwas nicht stimmte. Erst als ich nach meiner härtesten Zeit als ich wirklich am Boden der Krankheit ankam, anfing darüber zu sprechen, dass ich krank bin, fingen andere an, sich etwas mit dem Thema zu beschäftigen und zu realisieren, dass ich vielleicht nicht die sorgenfreie Astrid bin, die ich immer repräsentierte.

Zu Beginn meiner Krankheit wollte ich nur noch verschwinden, unsichtbar sein. Nicht mehr da sein – ich fühlte mich sowieso wertlos und war es auch in meinen Augen nicht mehr wert, gesehen zu werden. Verzicht war meine Lösung. Weniger Essen – mehr Kontrolle. Je weniger ich aß, je weniger ich wog, desto größer war die Kontrolle über mich, mein Gewicht und meinen Körper. Es endete schließlich in einer Klinik. Diagnose: ANOREXIE.

Aber Essstörungen sind verschieden und doch gleich. Kaum realisiert, dass Magersucht keine Lösung ist und letzten Endes eine Art Todesspirale, die dich immer weiter nach unten zieht, kam ich vom Regen in die Traufe. Ich konnte anscheinend noch nicht ohne meinen ständigen Begleiter – die Krankheit -, die nonstop ihre schützende Arme um mich schlang, leben. Also verließ ich sie nicht und sie mich nicht. Die Essstörung blieb – nur anders gekleidet. Es war nun kein Verzicht mehr, sondern ich gönnte mir etwas. Immer häufiger. Immer mehr. Ich fühlte mich sicher, wenn ich mir etwas erlaubte nach dieser Zeit, in der ich mir immer nur alles verboten hatte. Ich fühlte mich gut, je mehr ich kompensierte. Immer mehr essen. Das große Fressen. Ich nahm zu, ein gedanklicher Horror für mich. Oder besser – gedanklicher Terror. Doch mein Umfeld blieb auch hier unbesorgt und ich wieder in meiner Glanzleistung – der Schauspielerei.

Mein Umfeld verteilte immer mehr Komplimente, dass ich besser und gesünder aussehe. “Endlich hast du wieder mehr auf den Rippen – toll siehst du aus!”. Schön und gesund mag man mit gesundem Menschenverstand denken. ‘Fuck off’ dachte die essgestörte Astrid. Doch es war zu spät. Ich war aus der Mager- in die Fresssucht geraten und konnte es nicht mehr stoppen. Ich habe nur noch für diese Krankheit, für diese Sucht und ihre Befriedigung gelebt. Mein komplettes “normales” Alltags- alias Berufsleben nur vorgespielt und dann die Realität ausgeblendet, sobald ich alleine war. Ich lebte seelenlos weiter in meiner Hülle und kam nicht hinaus. Nach Außen hin hatte ich ein perfektes Alibi für mich geschaffen – eine lächelnde, glückliche, sozial aufgeschlossene Astrid. Nach Innen war alles leer, nichts war mehr da von mir. Immer mehr wirre und ekelhafte Gedanken, immer deutlicher die Hilflosigkeit und der Hass gegen mich selbst. Und schließlich immer deutlicher das Gefühl, damit nicht mehr leben zu können und zu wollen. Es wurde unglaublich anstrengend für meine Nerven und den eigenen Körper. Ich konnte nicht mehr ständig gegen mich selbst ankämpfen.

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Da ich schon mal auf der Kippe stand, entschloss ich mich – nicht wie andere Male – dieses mal FÜR das Leben. Für mein Leben.

Ich möchte allen zeigen – egal, ob Betroffenen, Angehörigen oder komplett gesunden Menschen – , wie gefährlich Essstörungen sind. Und dass sie nicht immer sichtbar sind. Essstörungen kommen in allen Körpergrößen und -formen. Und sie sind in den Köpfen der Betroffenen, sie schreien sie an. Doch kaum jemand anderes kann diese Schreie hören. Ich möchte Aufmerksamkeit auf diese psychische Erkrankung lenken. Ich wünsche mir, dass sensibler mit diesem Thema umgegangen wird. Ich wünsche mir, dass andere nicht diesen Hirnfick erleben, den ich erlebe/erlebte. Ich habe erkannt, dass ich es wert bin, zu leben und sogar geliebt werden darf. Ich darf selbst auch lieben und ich möchte lieben und leben. Genießen. Für mich.

Ich möchte anderen Mut machen, sich auch dem Kampf zu stellen, sich selbst wieder näher zu kommen und darauf vertrauen zu dürfen, dass jeder Mensch es verdient hat, geliebt zu werden und mehr noch: sich selbst zu akzeptieren. Mit allen Makeln. In jeder Form und Größe. Sich eben nicht immer dem Druck von außen stellen zu müssen, möglichst perfekt sein & aussehen zu müssen.

Komm mit und brich aus aus deinen Gedanken, die dich zerstören. Stell dich dir selbst! Pro you!

 

neu

 

Diese Fotos habe ich als persönliche Herausforderung gesehen und sie deshalb machen lassen. Ich kann mich nur schwer im Spiegel ansehen; sehe meist nur an mir vorbei. Ich möchte mich bewußt ansehen, ohne mich zu schämen. Weder vor mir selbst noch vor irgend jemand anderem. Mein Körper gehört zu mir – er hält mich am Leben und trägt mich durch mein weiteres Leben. Und dafür bin ich heute unheimlich dankbar.

 

Die englische Version gibt es hier auf medium zu lesen!

 

hinter schwarzen Wolken

Zeit wird es, etwas positiver zu sein. Zu denken. Positiver und anders zu denken. Zeit wird es, endlich mal die schwarzen Wolken etwas beiseite zu schieben. Der Himmel ist blau – azur sagt man. . . Seit ein paar Jahren sehe ich relativ wenig davon. Ich habe oft nur die schweren, dunklen schwarzen Wolken gesehen. Und so leicht Wolken auch aussehen und zu sein scheinen, so schwerer war es für mich, sie ein kleines Stück beiseite zu schieben und auf azur zu hoffen. Jetzt fühle ich mich langsam bereit. Wirklich bereit. Ich mag zwar dunkle Farben; sie kleiden mich und ich fühle mich darin geborgen. Ich bin sie auch irgendwie gewohnt. Aber wem schadet ab und an ein Farbwechsel? Das Leben ist bunt. Und so sollte im Idealfall auch mein Leben sein.

Ich bin neugierig und ich habe das Gefühl, ich muss etwas tun. Andernfalls drehe ich durch. Zu viele Rückfälle in letzter Zeit, zu häufig das Glück links liegen lassen und mit Volldampf daran vorbei gerauscht. Mit voller Geschwindigkeit immer den schwarzen Wolken entgegen. Es ist an der Zeit, dem Himmel die Chance zu geben, sich mir zu öffnen. Ich ertrage meine Gedanken nicht mehr. Ich ertrage es nicht mehr, ständig in die Vergangenheit zu rutschen, ohne es zu wollen. Es passiert. Es passiert einfach mit mir und ich bin gelähmt. In diesen Momenten kann ich nichts dagegen unternehmen und die dunklen Wolken schütten sich über mir aus. Es regnet – es regnet und ich bin durchnässt. Nass und vollgesogen mit Zweifeln, meiner ständigen Angst, meinem Körperhass und allem, was meine ständige Begleitung in Form dieser Krankheit ausmacht.

Auch wenn ich denke, dass mir manchmal die Luft zum Atmen fehlt; auch, wenn ich mich noch so schrecklich fühle; auch, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, mein Körper platzt, weil ich wieder so immens fett geworden bin und mich so sowieso niemand auch nur annähernd mögen & attraktiv finden kann – auch in diesen Momentan sind neuerdings Menschen da, die es schaffen, mich irgendwie aufzufangen. Mir wird gezeigt, dass auch ich anscheinend einen Platz in dieser Welt verdient habe. Ich selber beanspruche einen solchen Platz bisher nur sehr bedingt – ich denke, dass ich es nicht besser verdient habe. Aber was, wenn das vielleicht gar nicht stimmt? Vielleicht ist es ja einfach wirklich alles vorbei und ich darf von vorn beginnen. Eine neue Chance für ein anderes Leben. Für (m)ein Leben. Ich will gar keinen reset-button drücken oder irgendwie die Uhrzeiger zurückdrehen – was geschehen ist, ist geschehen. Ich möchte einfach mit anderen Augen auf mein Leben blicken und mir selber die Chance einräumen, durchzuatmen – auch wenn die Welt zu eng für mich erscheint. Gerade dann sollte ich mir vielleicht einen (neuen) Platz schaffen. Die schweren dunklen Lasten beiseite schieben und dahinter blicken. Hinter schwarzen Wolken wartet sicherlich einiges.

Ich sollte es endlich richtig anpacken und die Wolken nicht schwer erscheinen lassen, sondern sie anderes betrachten. Vielleicht sind sie gar nicht schwarz. Vielleicht sind sie nicht schwer. Vielleicht sind sie aus azurfarbener Zuckerwatte und es regnet anstatt Ängsten und Zweifeln einfach mal Zucker. Etwas Süßes gibt bekanntlich Energie und neuen Antrieb.

Vertrauen – kann ich oder kann ich nicht?

Manches muss und sollte man im Leben loslassen und ich kann bezeugen, dass das zum Teil zwar schwer ist, aber sich doch oft lohnt und am Ende die richtige Entscheidung ist. Ich frage mich ernsthaft, warum ich nicht losgelassen werde. Losgelassen von einer gewissen Krankheit. Ich mag das Wort Krankheit mittlerweile in meinem Zusammenhang gar nicht mehr, weil ich mich eigentlich immer gesünder fühle.

Vor zwei Jahren konnte ich der Krankheit wenigstens einen eindeutigen Namen geben – ich war magersüchtig, als konnte ich sie liebevoll voller Hass Ana (=Anorexie) nennen. Heute ist das wesentlich schwieriger. Ana hat sich endlich verabschiedet – ihre Neben- und Nachwirkungen allerdings nicht. Sie will noch immer die Kontrolle über mich behalten – wenn sie sie schon in Form des Hungerns abgeben mußte, so will sie mich doch wenigstens im möglichen Rahmen einer Essstörung weiterhin kontrollieren. Sie überredete mich, mich weiterhin in einem bestimmten Ritual zu wiegen und das entwickelte ich dann in Form meiner Italiener-Völlerei. Endlich satt werden schrie mein Körper und ich & er konnten schließlich nicht genug Nahrung und Sättigung bekommen. Aber wie nennt man eine Krankheit, eine Essstörung, die weder bulimisch noch anorektisch ist? Hier in meinem Fall gibt es irgendwie keinen Namen – doch Krankheit klingt nach krank und eigentlich bin ich das doch nicht mehr…?.

Sagen wir ES zu ihr. ES hält mich kopfmäßig noch immer phasenweise stärker in ihren Armen als ich gedacht hatte. ES äußert ihre Symptome in Form von Selbstzweifeln und Ängsten, nicht mehr gänzlich vertrauen zu können.

Jeder, der sich einmal etwas mit der Thematik Essstörung auseinander gesetzt hat, weiß, wie verquer, gemein und widerwärtig die Gedanken innerhalb dieser Geschichte sein können. Ich muss & möchte hier nicht noch einmal ins Detail gehen.

ES soll mich aber doch bitte endlich frei sein & werden lassen. Ich bin es so satt, mit (Selbst)zweifeln gefüllt zu sein. Anstatt mit Essen, wenn mir denn der Entzug des Italieners gelingt, bin ich gefüllt mit Hinterfragen, mit Ängsten und Zweifeln.

Der Beigeschmack einer Essstörung sind immer Selbstzweifel – ob der Gaumen sich darüber freut oder nicht. Schluck es. Passiert etwas ist Gutes, ist das schon merkwürdig. Passieren mehrere gute Dinge innerhalb kurzer Zeit, ist das mehr als merkwürdig. Es fühlt sich für mich unwirklich an. Wie schon so oft beschrieben: es ist unbekannt – gab es nie… Kann nicht sein, dass sich jemand um mich bemüht. Kann absolut nicht sein, dass sich jemand Sorgen um mich macht. Kann auch nicht sein, dass jemand sagt, „pass auf dich auf“ und es auch noch ehrlich meint. Kann mal überhaupt nicht sein, dass jemand zu mir sagt, „Du siehst wahnsinnig hübsch aus“ geschweige denn „Du hast eine tolle Figur“. Ich sehe mich täglich im Spiegel und es kann nicht sein, dass die Worte mir gelten.

Im Spiegel sehe ich eine Frau, die alles andere als attraktiv oder hübsch ist. Ganz deutlich sehe ich nur eine Oberflächlichkeit, für die ich diese Frau im Spiegel absolut verurteile. Diese Oberflächlichkeit hat sich in ihrem -also leider meinem- Kopf so sehr verankert, dass ich sie nicht mal herausprügeln könnte. Zwischenzeitlich gelingt es mir zum Teil, die Gedanken zu verdrängen oder zu überspielen, aber gerade, wenn mir viel Gutes passiert, wenn ich viel Zuspruch bekomme, wenn ich scheine, endlich gesund zu werden…, gerade dann, also gerade JETZT in dieser neuen Phase meines Lebens, schreien mich die Zweifel aus dem Spiegel und die Oberflächlichkeit von ES so an, dass mir das Trommelfell platzt. Ich kann nicht weghören. . . Ich höre, dass ich fett geworden bin. Ich, ausgerechnet ich, die die andere wirklich nicht nach dem Aussehen beurteilt; für die die Figur von anderen Menschen und von mir selber nie wirklich wichtig war und für die Ausstrahlung und Charakter aber immens wichtig sind… Ausgerechnet ich urteile nun wieder so oft über mein Aussehen und meinen Körper.

Ist ja auch ein einfaches Ventil, um dem ganzen absurden „Druck“ des Guten, das mir widerfährt, stand zu halten. Es läuft gut; ich habe endlich nach vielen Jahren wieder Spaß; ich gehe aus; ich lerne & treffe neue tolle Menschen; ich habe eine Freundschaft intensiviert und für mein Leben gewonnen, die einzigartig ist; mein Job macht mir Freude und fordert mich und – ich bin unabhängig, was ich leider jahrelang durch meine gewissen Auslöser von ES nicht sein durfte. Das erste mal, bin und werde ich nicht gemacht oder gesteuert, sondern ich darf und kann es mir aussuchen. Keine Gewalt und Druck oder Zwang mehr zu bestimmten Körperlichkeiten.

Damit das so bleibt, ist es doch eigentlich ganz easy: Vertrauen. In mich und in die Menschen, die mich scheinbar nehmen wie ich bin. Die mich mögen und die auch anscheinend mein Äußeres mögen und schließlich in die Zeit und die Phase meines Lebens jetzt – ich hole halt nach, was für die meisten längst selbstverständlich ist.

Am Ende ist es also wirklich so simpel? Einfach Vertrauen – kann ich oder kann ich nicht?

Bald

BALD – Nur noch wenige Tage, dann ist sie vorbei. Eine Episode meines Lebens. . . Insgesamt ein viertel Jahr habe ich in der Klinik verbracht und ich zähle diese Monate zu den wichtigsten meines bisherigen Lebens. Klingt komisch oder überdramatisiert, sowas zu sagen bzw. zu schreiben, doch genauso ist es. So eine intensive Zeit, anders als vor zwei Jahren, als ich an einem der schlimmsten Punkte meines Lebens war. Noch anstrengender, noch viel intensiver, mit noch mehr Kampf dieses mal. Der Kampf war immens schwer, viel schwerer als damals, da mich die Kopflast mehr gekostet hat, als die körperliche – die Kilo-Last quasi. Die Kilolast war dieses mal nur Beigeschmack – nicht das Hauptgericht.

So viel erkannt, so viel gelernt, so viel gegessen, so viel geschmeckt und so viel mehr, das mir überhaupt nicht geschmeckt hat. Doch gegessen wurde trotzdem. Ich habe es geschafft, mir eine Chance zu geben. Der Vielfalt, die das Leben zu bieten scheint, eine Chance einzuräumen und sie zu nutzen. Ich habe erkannt, dass auch ich -frei von allen und jedem- für mich existieren und glücklich sein darf.

Von meiner demonstrierten Scheinwelt habe ich jetzt oft genug geschrieben, von dem Kampf mit dem bzw gegen den Italiener und die damit verbundene Völlerei auch. Davon will ich nicht mehr schreiben und ich möchte diese Dinge aus meinem Leben verbannen. Leider kann ich das nicht – passiert ist passiert… Also werde ich sie als einen Teil meiner Vergangenheit akzeptieren und sie zumindest immer mehr verblassen lassen bis sie hoffentlich auch aus meiner Erinnerung eines Tages ganz verschwinden.

Es war dringend notwendig, mich mit gewissen Themen, Dingen, Personen gedanklich auseinanderzusetzen. Gegen sie anzukämpfen. Sie zu akzeptieren. Und letzten Endes sie ziehen zu lassen. Ich lasse sie nun endgültig gehen. Da ist so viel, das mir nicht ganz klar war bis vor ein paar Wochen und so viel, das nie von mir ausgesprochen wurde und noch mehr, das ich einfach verleugnet habe. Doch all das ist jetzt an die Oberfläche gekommen – ich weiß immer klarer, was mir nicht gut tut. Normalerweise wissen die Menschen immer gleich, was ihnen gut tut und sie glücklich macht. Bei mir war/ist das anders. Ich habe kaum hinterfragt. Die Gelegenheit hatte ich mir nie eingeräumt, weil ich schon sehr früh vermittelt bekommen habe, dass ich funktionieren muss – nicht erst hinterfragen. MACHEN und still sein. Hab ich oft getan.

Jetzt ist es anders. Ich begebe mich auf die Reise und werde immer mehr suchen, das mir gut tut, das mich froh, zufrieden, glücklich sein lässt. Dabei werden mir sicherlich noch viele Dinge und auch Menschen begegnen, die nicht in meine neue eigene Kultur passen – doch ich bin wachsamer. Ich passe auf und werde etwas beherzigen, das mir in den letzten Wochen so oft ans Herz gelegt wurde: SELBSTFÜRSORGE. Das ist der Schlüssel.

Ich hoffe, dass ich dauerhaft bereit bin, weiter zu experimentieren, zu lernen, zu entdecken und letzten Endes auch abwechslungsreich und regelmäßig zu essen. Wenn ich behaupten würde, dass ich all das jetzt in den letzten Wochen/Monaten gelernt habe und gesund bin, würde ich lügen und mir mal wieder selbst etwas vormachen. Doch ich habe zumindest schon mal meinem Hirnfick ein Ende gesetzt – ich schlafe sogar wieder und ich kann schon ein paar wenige Momente genießen ohne zu denken. Das war vor einigen Monaten für mich unvorstellbar.  Diese Episode, die Klinikzeit, die mir so unendlich viel geraubt, doch noch unendlich viel mehr gegeben hat, geht jetzt wirklich bald zu Ende…

Ich blicke allem, was mich jetzt erwartet und was nun kommt, positiv und voller Respekt, vielleicht auch mit ein wenig Angst oder Ungewissheit entgegen und ich werde mich dem stellen. Mit gestärktem Rücken und Energie. Und Lebenshunger.

Bis hierher.

Kurz dem Klinikalltag entflohen – Zeit, ein kleines Resumée zu ziehen. Bis hierher.

Bis hierher habe ich innerhalb der kurzen Zeit viel begriffen. Sehr viel – zumindest habe ich das Gefühl. Meine Grenzen habe ich kennengelernt. Ausgereizt.

Ich dachte immer, dass ich es irgendwie schon hinkriege, mich vernünftig/regelmäßig/ausgewogen zu ernähren. Mit ein bisschen Hilfe von den Betreuern und wertvollen Ratschlägen von den Ärzten und mit ein bisschen Verständnis und Unterstützung von meinen Gleichgesinnten – die, die momentan mit mir zusammenleben. So weit so gut. Dass ich ein bisschen in die Tiefe gehen muss und mich mit bestimmten Ereignissen und Personen befassen muss, die in meinem Leben ungefragt ihren Platz eingenommen hatten, das war mir auch klar. Das ganze Procedere kenne ich ja bereits von vor zwei Jahren.

Doch jetzt ist es anders. Anstrengender und schmerzvoller. Ich begreife viel, das ich vor zwei Jahren nicht annähernd begriff. Viel, wovon ich zum Teil gar nichts wußte.

Meine Scheinwelt habe ich mir mit Investition von viel Zeit, Energie und Hingabe aufgebaut und ich habe sie vehement geschützt. Verteidigt vor anderen und aber vor allem vor mir selbst. So sorgsam ich mich um sie gekümmert habe, sie ausgebaut habe, genauso rapide will ich sie loswerden. Es geht nicht ganz. Aber es ist ein unglaublich befreiendes Gefühl, all das auszusprechen, das sie in sich birgt. Das ich in mir barg. All das ist jetzt raus – Angst, Hass, Konfrontation, Flucht, verhasste Spiegelbilder, verschönte Außendarstellung, Verdrängung – ich habe das erste mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich mir und meinen Gefühlen und Gedanken freien Lauf lassen konnte und vor allem DURFTE.

Ich habe erkannt und realisiert, was mit mir in den letzten Jahren geschehen ist und vor allem, was ich in den letzten Monaten getan und gelebt habe. Wieso ich ständig den Weg zum Italiener gefunden habe, aber nicht annähernd den Weg zu mir selbst.

Jetzt, wo ich so vieles sehe und nicht mehr verdrängen kann; jetzt, wo ich bereit bin, aktiv etwas zu ändern, habe ich die Chance, einen Weg zu finden. Zu mir selbst und auch einen Weg in ein Land, das ich „Schönes Essen – Schönes Genießen“ nennen möchte. Wo genau das liegt, weiß ich nur ungefähr – so wie ich ungefähr weiß, wo auf der Landkarte Ho Chi Minh City liegt. Bis dahin ist es eine weite Reise, genauso weit wie in mein eben erwähntes Land. Aber es ist ein fixer, realer Punkt auf der Weltkarte, genauso wie mein Reiseziel. Ich habe gerade nicht wirklich eine Ahnung, wie ich da am schnellsten und am günstigsten hin gelange, doch ich habe einige Ideen und eine große Motivation.

Meine Gedanken sind noch immer mehr als wirr und ich weiß, dass es noch viel aus- und anzusprechen gibt. Aber mein Gefühl, nicht mehr in meiner Scheinwelt leben zu müssen, erleichtert mich und mein Gewissen enorm.

Und zum ersten mal seit langem habe ich wirklich das Gefühl, minimale Fortschritte zu machen und zwar in die richtige Richtung. Und wenn diese Richtung momentan „jeden Tag Kuchen“ heißt, dann ist das so. In ein paar Wochen heißt sie vielleicht „jeden Tag warmes Mittagessen“ oder „ich esse, worauf ich Appetit habe“. Ich bin gespannt und hoffe, ich verlaufe mich nicht.

Qualen – satt und doch hungrig.

So ist es. Es sind wirkliche Qualen.

Sie reden alle viel. Viel und eigentlich auch nur Vernünftiges. Und sie meinen es wirklich alle gut – das weiß ich zu 100%. Und doch schießen mir immer wieder Gedanken in den Kopf wie „ihr habt doch keine Ahnung“ oder „ja ja, wenn es so leicht ist, wieso klappt es dann nicht“ oder sogar „ja reden könnt ihr alle viel. Aber ihr habt keinen Schimmer, wie verdammt hart es ist – nicht annähernd“.

Ich unterstelle ihnen, dass sie mir nicht glauben, ich würde kämpfen.

Für diese Gedanken schäme ich mich. Weil es hier meine besten und engsten Freunde sind, von denen ich spreche. Sie sind es, die mich täglich ermutigen, die mir sagen, ich soll mich zusammen reißen und kämpfen und mich nicht in der Krankheit ausruhen. Sie sind es, die sich Sorgen um mich machen und die es ja schlichtweg einfach nicht nachvollziehen können. Wie auch? Und ich glaube, dass es für sie wirklich nicht einfach ist, mich immer und immer wieder zu ermutigen, mir immer wieder nette Worte und motivierende Sätze entgegenzubringen, wenn ich mal wieder in einem Tief stecke.

Ich möchte nicht, dass sie sich Sorgen um mich machen müssen. Es tut mir unsagbar leid, dass ich sie mit da rein gezogen habe in diesen grässlichen Sumpf dieser Essstörung und Depression. Ich möchte, dass sie die Minuten, Stunden, Tage mit mir genießen und sie als schön empfinden – und nicht als anstrengend.

Ich bin seit 5 Tagen daheim. Vorher war ich genau drei Wochen im Krankenhaus. In den drei Wochen habe ich 4 Kg abgenommen. Das war nicht Sinn der Sache. Doch ich würde schlicht lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich es nicht angenehm finde, weniger zu wiegen – leichter zu sein. Doch gesünder bin ich dadurch nicht. Und wirklich innerlich erfüllter oder glücklicher bin ich dadurch auch nicht. Also was soll das schon wieder?

Hier außerhalb der Klinik fällt es mir wieder verdammt schwer, das Fressen zu lassen, sobald ich allein bin. Ich sitze hier auf dem Sofa und zittere am ganzen Körper. Meine Gedanken überschlagen sich und ich kämpfe mit und gegen mich. Ich will unbedingt wieder meinem Ritual folgen. Will unbedingt wieder diese leckere Mahlzeit von meinem Italiener in mich aufsaugen. Will den Geschmack spüren. Will satt werden. Gleichzeitig will ich nicht mal mehr einen Gedanken an den ganzen Scheiß verschwenden. Ich will nicht wieder fett werden. Will nicht mehr auch nur 100 gr zunehmen. Will nicht mehr immer und immer wieder diese Gedankenqualen haben, ob ich nun hinfahre und mich vollstopfe oder nicht. Ich will nicht mehr überlegen müssen, was ich anziehen könnte, um nicht fett auszusehen. Ich will nicht mehr dieser Sucht nachkommen. Ich will nicht mehr die Kontrolle verlieren. Ich will keine Gedanken mehr über Gewicht, über Zunehmen und Abnehmen zulassen. Und doch dreht sich alles darum. Nichts hat sich geändert.

In der Klinik – das ist das völlig absurde – fiel es mir so verdammt leicht, die Kontrolle zu behalten. Kaum etwas zu essen. Es war so leicht, leichter zu sein, wie ewig schon nicht mehr. Obwohl genau das ja nie wieder eintreten sollte. Ich soll in der Klinik lernen, geregelt und ausgewogen zu essen. Das Essen Essen sein zu lassen. Wieder andere schöne Dinge und Interessen für mich zu entdecken. Wieso also boykottiere ich mich so selbst – in den verschiedensten Formen??

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich bin mir zu viel. Mein Körper ist mir zu viel. Meine Gedanken sind mir zu viel. Ich bin satt und doch hungrig…

 

Alles neu und doch vertraut

So ist es, wenn man sich nach zwei Jahren eingestehen muss, wieder an einem Punkt zu sein, an dem man schon mal war.

Ich habe es geschafft- ich bin wieder in der Klinik. Habe es also doch nicht geschafft. Zwei weitere Jahre habe ich mir selbst und allen anderen etwas vorgemacht. Mich selbst belogen. Scheinbar fällt mir innerhalb dieser Krankheit nichts leichter als das – mich selbst zu belügen.

Auch, wenn ich das ganze Prozedere mit allen Therapien, mit allen Essensauflagen schon kenne, ist es doch ein neuer Ausgangspunkt und mindestens genauso schwer, mich darauf einzulassen. Damals war ich in der Klinik, weil ich alles und nichts unter Kontrolle hatte. Mein Essverhalten und den bewußten Verzicht auf Essen hatte ich total unter Kontrolle – alles andere nicht. Heute ist genau das mein Versagen. Ich habe mein Essverhalten definitiv nicht mehr unter Kontrolle. Ich fresse oder ich verzichte. Ein Mittelmaß gibt es nicht. Ein Mittelmaß, das doch eigentlich wünschenswert ist. Ein Mittelmaß beim Essen und ein Mittelmaß – ein gesundes Mittelmaß – beim Gewicht. Aber etwas in mir weigert sich noch immer. Obwohl ich alles doch schon so oft durchgekaut habe. Obwohl ich doch alles längst begriffen habe. Obwohl ich mir geschworen hatte, niemals wieder an den Punkt zu gelangen, an dem ich auf fremde Hilfe angewiesen bin. Trotz aller Erkenntnisse, trotz aller wiederholten Schmerzen, trotz aller gedanklichen Qualen bekomme ich es nicht hin. Ich quäle mich weiter. Obwohl ich es einfach nur noch satt bin.

Meine kranken Gedanken erlauben mir kein Leben mehr. Zumindest kein Leben ohne Stress, ohne Angst, ohne Zweifel und ohne wirkliche Liebe. Keine Liebe für mich selbst. Eher Hassgefühle und Verachtung. Verachtung, weil ich es nicht schaffe, mich aus diesem Sumpf heraus zu ziehen. Verachtung gegenüber meinem Körper.

Ich habe es satt. Wirklich. Wirklich? Warum klappt es dann nicht? Was hält fest an diesem ganzen Scheiss? Ich weiß es nicht. Aber ich möchte es herausfinden. Ich möchte mir noch einmal die Zeit geben und mich auf Hilfe einlassen. Mich einlassen auf alles Neue und alles doch irgendwie Vertraute. . .

genauso und doch anders

Die Schizophrenie ist präsenter denn je. Ich dachte, es legt sich irgendwann. Nein, verkehrt. Ich dachte nicht ernsthaft daran, ich hatte (nur) die Hoffnung, es legt sich irgendwann. Aber absoluter Stillstand im Kopf. Stillstand im Vorankommen.

Doch kein Stillstand in all den wirren Gedanken, Spinnereien, die sich innerhalb dieser Krankheit im Kopf verankern. Sie sind wie eine fette Krake mit noch fetteren Armen, die sich ständig um diese miesen Gedanken schlingen, damit sie bloß nicht die Gelegenheit haben, zu entschwinden. Sie sind stark und ich habe keine Chance. Die Arme sind allerdings ja auch immer ein Schutz – Arme umarmen einen. Und wer sehnt sich nicht zwischendurch nach einer liebevollen, zärtlichen aber gleichzeitig starken Umarmung? Also, willkommen in der Schizophrenie! Ich hasse diese Krakenarme, will ihnen endlich entkommen und frei sein. Frei im Kopf und frei und fein mit meinem Körper. Gleichzeitig bin auch ich ein Mensch, der sich nach einer Umarmung sehnt und also, so what: hier ist sie. Die Krake umarmt mich, gibt mir immer wieder das Gefühl, ich kann und darf jederzeit – nein, ich soll auch jederzeit in ihre Arme zurückkehren. Da ist mein Schutz – mein Wohlbehagen. Irgendwie. Und hier ist auch die Kontrolle. Die Kontrolle, nicht wieder so fett zu werden, wie eine Krake.

Der Wille, endlich von all dem los zu lassen und „gesund“ zu werden ist stärker denn je. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr begreife ich, warum ich in diese Essstörung hineingerutscht bin. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr begreife ich auch, dass es sinnfrei ist, an einer Krankheit (was eine Essstörung ja nun leider definitiv ist), festzuhalten. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr begreife ich auch, dass nur ich allein dafür verantwortlich bin, etwas zu ändern und endlich freier im Kopf zu werden. Aber ganz ehrlich: Hier ist schon der Widerspruch. Ich allein bin verantwortlich dafür. Das sagen Ärzte, Therapeuten und Pfleger. Aber alle diese Personen sagen gleichermaßen, dass man es alleine kaum schafft aus dieser Misere hinaus zu gelangen. Also bitte, wie und was ist jetzt Phase?

Es gäbe für mich nichts schöneres, als da hinaus zu gelangen. Es ist mir mittlerweile sowas von egal, ob mit oder ohne Hilfe. Hauptsache weg mit dem ganzen Schlechten, das meinen Kopf so sehr beherrscht.

Mittlerweile habe ich viele Erkenntnisse gewonnen und mich bewußt von so vielem getrennt, das mir nicht gut tut. Auch von Menschen getrennt, die eigentlich gar keine Berechtigung auf einen Platz in meinem Leben oder gar in meinem Herzen hatten. Das ist mir immerhin schon einmal gelungen. Also irgendwie hat sich doch etwas getan… Doch wieso schaffe ich es, solch zum Teil schwierigen Entscheidungen zu treffen und sie durch zu ziehen, und aber gleichzeitig nicht, mich einfach mal dazu hinreißen zu lassen, eine Woche lang mal wie ein normaler Mensch zu essen? Es gibt doch nichts lapidareres. Nichts ist für einen normalen Menschen einfacher. Es gehört eben zum Leben dazu. Es ist NORMAL. Doch noch immer ist es so, dass ich entweder die Völlerei bis ins Nirvana celebriere oder ich achte an den anderen Tagen, die nicht im Völlerei-Nirvana enden darauf, nicht mehr als maximal 500 kcal zu mir zu nehmen.

Immerhin sieht man mir nicht mal mehr ansatzweise an, dass ich eine Essstörung habe. Doch ein Fortschritt also.

Also ist es genauso wie immer und doch anders.

Schizophrenie der Essstörung – mein ich und ich

Etliche male haben mich die kranken Gedanken innerhalb dieser Essstörung zermürbt und ich dachte, es wird irgendwann besser. Wird es nicht. Vielleicht zwischendurch, aber nicht langfristig. Ein kurzer Moment, ein Satz, einmal falsch abbiegen auf dieser zerstörerischen Gedankenautobahn und es ist alles beim alten. Mein Hirn fickt mich auf übelste Weise und ich kann nichts dagegen tun.

Diese Krankheit ist sowas von schizophren, dass ich mich und meine Gedanken kaum selbst noch ernst nehmen kann. Das eine Ich will Heilung, will Genuss, will frei sein und dieses selbige eine Ich bildet sich auch ab und an ein, Fortschritte gemacht zu haben, weil es mittlerweile Nahrung aufnimmt – viel Nahrung – zu viel Nahrung leider oft. Diese ungewohnte Nahrungsaufnahme gefällt trotzdem irgendwie dem einen Ich, sie macht sicher, zufrieden, lässt mich das Gefühl der Normalität zurück erlangen. Das Ich signalisiert mir, ich werde gesünder. Leider sieht man das auch – andere sehen mich und sagen „Du siehst endlich gesund aus. Stehen dir, die paar Kilos mehr.“ Und genau hier meldet sich das zweite, das andere Ich und schreit mich bei jedem Blick in den Spiegel an. Es schreit „Du bist fett. So kann ich dich nicht ertragen. So kann und wird dich niemand sonst ertragen.“ Ich nehme diese Schreie auf; ich sauge sie förmlich auf und empfinde Hass gegen mein Äußeres. Ich hasse dieses Äußere Bild von mir im Spiegel so sehr, dass ich mich verletze und mir Dinge antue, die mich vom Schmerz, den ich verspüre, wenn ich mein Spiegelbild sehe, ablenken. Und wegen diesem Empfinden, wegen diesem widerwärtig oberflächlichem Denken entwickelt sich auch Hass gegen mein Inneres. Denn das bin doch nicht ich. Ich bin nicht oberflächlich…

Willkommen im Teufelskreis. Die beiden Ichs rennen um die Wette. Keines der beiden gewinnt. Sie existieren parallel und miteinander gleichzeitig. Sie harmonieren irgendwie auch. Denn das schizophrene ist eben auch, dass die beiden Ichs vereint wunderbar Ratschläge an Gleichgesinnte verteilen können. Sie sehen auch andere Menschen ganz klar und erkennen ihre äußere und innere Schönheit und sie können Menschen optisch neutral beurteilen. Aber vereint in mir können sie nichts. Sie können rein gar nichts erkennen. Sie lassen mich auflaufen. Immer und immer wieder. Und ich fühle mich machtlos. Ich will und kann aber nicht.

 

 

Warum gibt es keine Pille gegen Essstörungen?

Ich habe es wie immer mal wieder nicht gepackt. Alle guten Vorsätze ade… Wie oft habe ich mir in den letzten drei Monaten Dinge vorgenommen mit wirklich hoher Motivation und Leidenschaft – jedes einzelne Mal. Und wie oft habe ich diese Vorsätze gebrochen? Jedes einzelne Mal.

Ich kann nicht mehr. Das Schlimme ist, ich stecke irgendwo drin, nicht am Anfang und nicht am Ende. Irgendwo im Nirgendwo. Da, wo mir keiner helfen kann. Und ich selbst schaffe es auch nicht. Nicht mal ich selbst kann mir helfen.

Also, wieso verdammt noch mal, gibt es keine Pille gegen Essstörungen??? Gegen alles kann man irgendwas schlucken, einnehmen, cremen oder sonst was. Gegen psychische Erkrankungen, unmenschliche Erfahrungen und ein mehr als krankes Essverhalten kann man nichts nehmen. Warum nicht, verflucht??