schwer

Leer.

Seit Wochen hadere ich sehr mit mir selbst. Viele Dinge habe ich in den letzten Wochen oder knapp 2 Monaten weiterhin erkannt und irgendwie bin ich an einen Punkt gekommen, wo ich erkannt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Nicht weitergehen soll. Ich habe so vieles getan, das nicht hätte sein dürfen. Habe mir und meinem Dasein immens geschadet und vehement weitergemacht – in welcher Form auch immer.

Dass mich mein Körper noch durch diese Welt trägt, ist ihm ehrlich hoch anzurechnen, bei dem ganzen Auf und Ab und Auf und Ab und Auf… Er hält scheinbar mehr aus, als ich es je für möglich gehalten hätte und als es auch scheinbar mein Kopf tut.

Mein Kopf fühlt sich schrecklich voll an. Er ist schwer. Müde. Er ist es leid, immer im gleichen Netz gefangen zu sein, darin hin und her zu springen und weitere Fäden zu spinnen und am Ende doch nicht hinaus zu kommen. Er kann nicht mehr diese Gedanken mit sich herumtragen, die ihn immer und immer wieder quälen und wach halten. Diese Gedanken, die sowieso nichts ändern. Das habe ich erkannt. Sie ändern nichts. Zwei Alternativen also, die es nun für mich gibt: Weitermachen & nicht aufgeben, das Gedachte und Vergangene hinnehmen und für die Gegenwart und die Zukunft kämpfen oder endlich einen Schlussstrich ziehen. Letzteres war gedanklich immer wieder präsent in letzter Zeit, doch es will nicht klappen. Ein kleiner Gedanke schiebt sich immer vor den Strich im allerletzten Moment und hält mich ab & er hält mich wach. Er hält mich so lange wach, bis ich an die erste Alternative denke und bis ich denke, dass sie es wert ist, sie auszuprobieren. Also mache ich weiter irgendwie…

Mit vollem Kopf und leerem Körper. Emotional leer meine ich. Nicht nahrungstechnisch. Ich esse zwar wieder weniger, doch fühlt es sich für mich nicht so an. Hier ähneln sich Kopf und Körpervolumen – voll. Gefühlt. Dick.

Gleichzeitig jedoch, ist mein Körper eine leere wandelnde Hülle. Ein Cocon. Ich sehe mich zwar irgendwie im Spiegel und stelle fest, ich bin da. Doch ich fühle mich nicht. Meine Seele scheint zu schweigen. Sie ist kaputt – noch immer von all dem Ballast aus der Vergangenheit. Das nimmt sie mir übel, was wiederum ich ihr nicht übel nehmen kann.

Meine Seele ist still. Sie weist mich bewußt in keine Richtung. Zumindest fühlt es sich so an. Ich bin mal wieder komplett lost. Obwohl ich eigentlich keinen sichtbaren Grund dazu habe. Ich habe ein Dach über dem Kopf und einen Job und dann noch zwei, drei ganz wunder- und wertvolle Menschen in meinem Leben und in meinem Herzen, die mir immer und immer wieder aufs Neue versuchen, zu beweisen, dass mein Leben lebens- und liebenswert ist. Auch wenn ich unterzugehen scheine. Für diese Seelen, die mich nicht aufgeben und an mich glauben, bin ich unendlich dankbar. Und allein für diese lohnt sich all das.

Doch sollte es sich nicht in erster Linie für mich selbst lohnen? Was ist mit meinem Appell an mich selbst von vor einigen Wochen, den ich in die Öffentlichkeit geschrien habe? Pro You. Pro Yourself. Breakout of my thoughts. Nach wie vor appelliere ich an mich und jeden anderen noch mehr, der mit sich selbst hadert. Wahrscheinlich fühle ich mich gerade deshalb wie zwischen den Sphären. Ich fühle mich leer. Lost. Irgendwo im Nirgendwo und doch einfach da. Nicht imstande, aufzugeben. Gott sei Dank. Aber noch nicht imstande, zu definieren, wo es hingehen soll. Und vor allem wie. Noch nicht imstande, zu vertrauen und zu glauben.

Aber was macht man an so einem Punkt? Ich habe versucht, all meine schlimmen Dinge aus der Vergangenheit auf einem Blatt Papier zusammenzutragen und dieses habe ich gestern an einem Ort gelassen – symbolisch, um das Vergange ruhen und hinter mir zu lassen. Es hat sich auch gut angefühlt und ich bin überzeugt, dass es richtig ist. Doch wie kann ich darauf vertrauen, dass es mir vielleicht irgendwann wirklich wirklich besser geht?

Es gibt sie, diese Momente, die es mir zeigen wollen. Die mir den Beweis liefern wollen, dass sich wirklich alles lohnt und dass auch ich es wahrscheinlich verdient habe, glücklich zu werden.  Ich wünsche mir, daran einfach mal aus tiefstem Herzen und aus tiefster Seele glauben und darauf vertrauen zu können… Dann kann ich weitergehen. Den nächsten Schritt und das nächste Stück.

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Wieso so schwer, wenn doch so leicht…?

Diese Frage stelle ich mir bewusst nun schon mindestens seit 2 Jahren. Ich komme einfach nicht heraus aus meinem Gedankenalltag – kein gewöhnlicher Alltag mit alltäglichen Gedanken, sondern MEIN Gedankenalltag. Heißt: alles dreht sich um Essen, zunehmen, abnehmen und darum, was andere von mir denken könnten. Wieso ist es so schwer, das abzustellen, wenn mir die halbe Welt vormacht, dass es eigentlich ganz leicht ist, auf andere zu scheißen. Wieso gelingt ihnen das und mir nicht?? Liegt es wirklich daran, dass mir schon von Klein auf immer und immer wieder eingebrannt wurde wie ich zu sein habe und was ich zu lassen habe? Ich hab mich nicht wirklich so entwickeln können, wie es vielleicht normal gewesen wäre, weil mir ständig Ärger drohte, wenn ich nicht bestimmte Kriterien erfülle. Also funktionierte ich  – wie ein Roboter. So, wie man mich damals schon haben wollte. Das konnte ich sehr sehr gut. Und wenn doch mal ein kleiner Anschein eines Gefühlsausbruchs oder des eigenen Willen kam, wurde dieser direkt im Keim erstickt – denn in diesem Moment war ich nicht so, wie es von mir erwartet wurde. Das durfte wirklich nicht sein.

Aber kann es sein, dass sich so etwas wie ein roter Faden durch mein Leben zieht? Ich habe mir immer und immer wieder die falschen Partner, Freunde gesucht. Die, die genauso von mir erwarteten, etwas oder jemand zu sein, der ich aber eigentlich nie war. Doch es war das Gewohnte, das mich anscheinend immer wieder in deren Fesseln zog. Immer funktionieren – das war schließlich das einzige, das ich kann und konnte – also eine sichere Bank für mich.

Aber jetzt bin ich mittlerweile an einem Punkt (den ich zugegebenermaßen ohne meinen Klinikaufenthalt wohl eher nicht erreicht hätte), an dem mir bewusst ist, dass das nicht alles sein kann. Wenn ich endlich mal ich selbst sein will, dann muss ich ausbrechen aus diesem Scheiß. Mir ist bewusst, dass es im Leben nicht darauf ankommt, möglichst schlank zu sein, ein möglichst makelloses Gesicht zu haben, oder sich immer konkret auf den anderen einzustellen. Es zählen weitaus andere Werte, auch wenn es uns anders verkauft wird. Aber im Grunde weiß es jeder, dass es auf etwas ganz anderes ankommt. Auch ich. Doch diese verfluchte Essstörung hat aus mir ein Gedankenwrack gemacht. Ich will und kann nicht und ich verstehe nicht, warum es mir so schwer fällt, loszulassen von diesem Fluch. Wieso ist es so schwer, wenn es doch eigentlich so leicht ist?

Ich habe Angst. Große Angst, enttäuscht zu werden, wenn ich mal auf alles scheiße und einfach das tue, wonach mir ist. Vor allem, wenn ich mal das esse, wonach mir ist. Wobei letzteres gar nicht so leicht ist, weil ich kaum noch weiß, was ich wirklich gern mal wieder essen würde und was nicht. Fest steht, dass ich ja wieder 94 kg wiegen könnte, wenn ich aus meinem Trott ausbreche. Dass ich 8 kg zugenommen habe seit Entlassung ist schon hart zu verkraften. Doch ich halte es aus. Weil ich jetzt wie eine normale Frau aussehe. Doch, was passiert, wenn ich noch mehr zulege und mein Äußeres sich verändert? Dann bin ich nicht mehr so, wie man mich kennengelernt hat – werde ich dann wieder abgelehnt, wenn ich mich verändere? In meiner Vergangenheit war es so. Ich habe wenig Menschen in meinem Leben, die mich bedingungslos so nehmen, wie ich bin. Und in meinen vergangenen Beziehungen war es so, dass ich alles immer konkret nach dem Partner gerichtet habe. Es wurde so erwartet und ich funktionierte. Also funktionierte auch die Beziehung.

Also, was passiert, wenn ich jetzt einfach mal re-boote und einen Neustart hinlege? Bisher habe ich es  schon so oft gewollt, doch nie wirklich gewagt und so war ich immer auf der sicheren, wenn auch mehr als unschönen Seite. Bis ich schließlich „Ana“ -meiner heißgeliebten und noch heißer gehassten Freundin alias Essstörung/Anorexie- begegnete. Sie hat mir dauerhaft Halt und Schutz und Kontrolle gegeben. Doch ich will diese Art Halt und Schutz und Kontrolle nicht mehr. Ich will einfach nur alltäglich leben.

Für „normale“ Menschen sind meine Gedanken sowas von lächerlich und überhaupt nicht nachvollziehbar, das ist mir bewsst. Einige halten Gedanken innerhalb einer Essstörung sogar für eine Art Luxusproblem. Das ist es definitiv nicht – es ist die Hölle. Deshalb ist es sehr schwierig, unbedarft mit Menschen in meinem Leben über mich und mein Leben zu sprechen. Doch genau das will ich – normal antworten können auf Fragen wie „Was isst du denn am liebsten“ oder „was sind deine liebsten Hobbies“ oder „und, was hast du so die letzten Jahre getrieben“.

Wieso ist das so schwer, wenn es doch so leicht scheint??